Tuberkulose weiter rückläufig

16. März 2016, 17:49
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Tuberkulose gilt noch heute als gefährliche Infektionskrankheit, Neuerkrankungen gehen in Österreich trotz Migrationsströmen aber zurück

Wien – Vor gut 100 Jahren lag jedem vierten Todesfall auf dem Gebiet des heutigen Bundesstaats Österreich eine Tuberkulose-Erkrankung zugrunde. Zwischen 1881 und 1914 starben hier pro Jahr rund 20.000 Menschen daran. Nach dem Ersten Weltkrieg waren es jährlich noch rund 10.000, noch 1954 fast 12.000. Da die Krankheit in der Region so massiv auftrat, trug sie Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts auch den Namen "Morbus viennensis" (Wiener Krankheit).

Seit Jahrzehnten geht die Zahl der Neuerkrankungen in Österreich zurück – daran hat auch die Durchreise von rund einer Million Flüchtlinge beziehungsweise die Ankunft von rund 90.000 Menschen, die um Asyl ansuchten, nichts geändert, wie die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG) am Mittwoch im Hinblick auf den Welttuberkulosetag nächste Woche mitteilte.

Zehn Millionen Erkrankungen jährlich

Tuberkulose sei heute weltweit rückläufig, gelte aber nach wie vor als "eine der gefährlichsten Infektionserkrankungen", sagte ÖPG-Präsident Meinhard Kneussl bei einer Pressekonferenz. Demnach erkranken jährlich fast zehn Millionen Menschen, und etwa 1,5 Millionen Menschen sterben daran.

In Österreich wurden laut dem Tuberkulose-Jahresbericht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) im Jahr 2014 genau 582 Fälle von Tuberkulose registriert (440 bestätigte, 67 wahrscheinliche und 74 mögliche Fälle). 2015 waren es laut vorläufigen Zahlen des Gesundheitsministeriums – der endgültige Report steht noch aus – 579 TBC-Fälle. 1997 erkrankten in Österreich noch 1480 Personen, 2007 waren es 895.

Mehr Männer als Frauen

Die daraus resultierende Häufigkeit von Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr betrug 2014 damit 6,8 je 100.000 Einwohner. Männer erkrankten 1,8-mal häufiger als Frauen. Das Burgenland war mit 2,2 je 100.000 Einwohner am geringsten betroffen, das Bundesland Wien mit 11,7 Fällen pro 100.000 Einwohner am stärksten. Vor wenigen Tagen sorgte dort das Bekanntwerden der Tuberkulose-Erkrankung eines Mitarbeiters der Parlamentsdirektion für Aufregung.

Rund 40 Prozent der TB-Fälle in Österreich treten bei Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft auf. Je ärmer die Herkunftsländer von Betroffenen aus dem Ausland sind, desto häufiger sind Personen betroffen. Syrien gehört nicht zu jenen Ländern mit besonders hohen TB-Raten.

Verbreitung auf engem Raum

Tuberkulose ist nicht so leicht übertragbar wie Viruserkrankungen wie zum Beispiel Influenza. Laut wissenschaftlichen Daten ist enger Kontakt mit einem hochinfektiösen Patienten für eine Übertragung notwendig, und zwar über mindestens sechs bis acht Stunden. "Je kleiner der Raum, desto größer ist die Ansteckungsgefahr, sagt Kneussl. Beengte Wohnverhältnisse sozial Benach- teiligter fördern die Verbreitung der Erkrankung. Als Symptome können chronischer Husten, Auswurf, Gewichtsverlust, Nachtschweiß und leichtes Fieber auftreten. Ein Thoraxröntgen könne dann "viel an Klarheit" bringen, sagte Kneussl. Darauf folgt in Österreich umgehend ein Schnelltest auf Erreger-Erbsubstanz, und es wird eine Bakterienkultur angelegt. (APA, red)

  • Die Zahl der Neuerkrankungen in Österreich sank in den vergangenen Jahren. Nach vorläufigen Zahlen des Gesundheitsministeriums auch 2015.
    grafik: apa

    Die Zahl der Neuerkrankungen in Österreich sank in den vergangenen Jahren. Nach vorläufigen Zahlen des Gesundheitsministeriums auch 2015.

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