Ablegen fürs Abheben: Österreich droht Bankomatgebühr

19. März 2016, 08:00
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Einzelne Institute versuchen bereits, Kunden an Geldautomaten zur Kasse zu bitten

Wien – An Österreichs Landesgrenzen endet für Bankkunden eine Wohlfühlzone. In Europa sind Bankomatgebühren inzwischen weit verbreitet, auch in Nachbarländern wird man bei der Geldbehebung zur Kasse gebeten. Aber auch hierzulande heben einzelne Institute bereits entsprechende Gebühren ein, und der Rest der Branche täte es wohl lieber heute denn morgen, wie man hinter vorgehaltener Hand zu hören bekommt.

Als Beispiel muss im konkreten Fall die Raiffeisenbank Leonding herhalten, die laut einer Gebührenaufstellung für manche Kontopakete die Hand aufhält: nämlich 0,41 Euro bei Abhebungen innerhalb des Raiffeisensektors, bei einer Fremdbank werden je Transaktion 0,46 Euro fällig. Dies gelte auch bei Bankomatbehebungen, bestätigte das Institut. Auch die Raiffeisen-Landesbank Tirol hebt "erhöhtes Buchungsentgelt" bei Behebungen an Fremdbankomaten ein. Im Raiffeisensektor obliegt das Festsetzen der Konditionen den einzelnen Instituten.

Auch im Hause Bawag PSK ist das Thema aufgekocht, seit in den Kundenrichtlinien eine Klausel enthalten ist, welche das Weiterreichen von Gebühren von Dritten bei Geldbehebungen ermöglichen soll. Die Arbeiterkammer Tirol hat dagegen eine Verbandsklage angestrengt, da sie sowohl die Art der Mitteilung an die Kunden als auch die Formulierung der Klausel für nicht zulässig hält.

"Mit den Füßen abstimmen"

Es habe immer wieder Versuche gegeben, derartige Gebühren einzuführen, sagt Bernd Lausecker vom Verein für Konsumenteninformation (VKI), der Bankomatgebühren wenig abgewinnen kann. Speziell ist ihm ein Dorn im Auge, dass die Banken ihre Kunden seit Jahrzehnten zur Benutzung diverser Automaten angehalten haben, statt ihre Filialräume zu betreten. "Der Kunde macht die Arbeit der Bankangestellten und soll jetzt auch noch Geld dafür bezahlen", zeigt Lausecker kein Verständnis. Er rät den Konsumenten, über Bankomatgebühren "mit den Füßen abzustimmen" und nach anderen Anbietern Ausschau zu halten. "Das ist die Antwort, die Verbraucher haben – die Möglichkeiten eines Marktes auszunutzen."

"Im Zinsgeschäft gibt es keine Margen mehr, mit denen man viel verdienen kann", gibt Wifo-Bankenexperte Franz Hahn hinsichtlich der Nullzinspolitik der EZB zu bedenken. "Das Einzige, was die Banken tun können, ist, ihre Gebühren und Kosten zu optimieren." Institute sollten ihre Dienstleistungen kostenorientierter anbieten, also prüfen, ob unterm Strich ein Deckungsbeitrag überbleibt. Wie hoch Bankomatgebühren ausfallen könnten, bis zu deren flächendeckender Einführung es laut dem Wifo-Experten "nicht allzu lange" dauern wird, müsse erst abgewartet werden. "Der Preis muss aber auf jeden Fall kostendeckend sein", hebt Hahn hervor.

"Wird einen Aufschrei geben"

Ein Blick ins benachbarte Ausland zeigt, dass Bankomattransaktionen beim eigenen Institut in Deutschland und der Schweiz in der Regel umsonst sind. In Italien und Ungarn fallen hingegen für das Beheben von 100 Euro bei der Hausbank mitunter auch Spesen von mehr als einem Euro an. Richtig ins Geld können aber das Abheben derselben Summe bei Automaten von Fremdbanken gehen, was etwa in Deutschland bis zu 4,50 Euro kosten kann.

Michael Hilbert von der Beratungsgesellschaft Horvath & Pertner geht davon aus, dass Bankomatgebühren in Österreich spätestens im nächsten Jahr kommen sollten. Je nach Ausgestaltung könnten diese den Banken insgesamt zwischen 30 und 90 Millionen Euro pro Jahr bringen. "Es wird einen Aufschrei geben", erwartet Hilbert, bis sich die Kunden schließlich doch an die neue Gebühr gewöhnen würden.

Eine Aussicht, die bei Gabriele Zgubic von der Arbeiterkammer auf keine Zustimmung stößt. Die Einführung von Bankomatgebühren werde "bewusst vorbereitet", meint die Konsumentenschützerin unter Verweis auf Nationalbank-Vizegouverneur Andreas Ittner, der bereits laut über Bankomatgebühren nachgedacht hatte. "Es hat mich schon sehr gewundert, dass er zu einzelnen Gebühren Stellung nimmt." Wird es ihrer Ansicht nach in zwei Jahren Bankomatgebühren auch in Österreich geben? "Wir arbeiten daran, dass dem nicht so wird." (Alexander Hahn, 19.3.2016)

  • Bargeld bald nur noch gegen Cash: Einzelne Banken heben bereits Bankomatgebühren ein, die meisten anderen würden sie wohl lieber heute denn morgen einführen.
    foto: apa/barbara gindl

    Bargeld bald nur noch gegen Cash: Einzelne Banken heben bereits Bankomatgebühren ein, die meisten anderen würden sie wohl lieber heute denn morgen einführen.

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