Funkhaus-Verkauf: ORF prüft neun Angebote

16. März 2016, 16:25
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IG Funkhaus legte Angebot und Konzept vor – Gruppe rund um Schaupieler Karl Markovics will ORF-Radios am Standort erhalten

Wien – Funkhaus-Verkauf: Der ORF wird mit insgesamt neun Kaufinteressenten in vertiefte Verhandlungen treten. "Inhalt dieser Angebote sind unter anderem sehr interessante Konzeptionen zur künftigen Bewirtschaftung der Immobilie, darunter auch einige, die kulturpolitisches Interesse erregen, wie zum Beispiel auch jenes der 'Interessensgemeinschaft Funkhaus Wien GmbH'", hieß es in einer Aussendung. Das weitere Verhandlungsverfahren werde nun "zügig fortgesetzt".

Die IG Funkhaus hat am Montag ein verbindliches Kaufangebot für das ORF-Funkhaus in der Argentinierstraße abgegeben. Das eingereichte Konzept der Gruppe rund um den Schauspieler Karl Markovics sieht vor, dass die Radiosender Ö1 und FM4 im Funkhaus bleiben, das Haus öffentlich zugänglich gemacht wird, und als "Kultur-, Bildungs- und Medienstandort" bestehen bleibt.

Kultureinrichtungen, universitäre Institutionen, Wohnungen

Am Areal des Funkhauses sollen sich Kultureinrichtungen und universitäre Institutionen anmieten, erklärten Vertreter der Interessensgemeinschaft. Da rund 1.000 Quadratmeter zusätzliche bebaubare Grundfläche zur Verfügung stehen, könnte dort auch "leistbarer und integrativer" Wohnraum entstehen. "Hier geht es um mehr als darum, dass der Standort erhalten bleibt", sagte Gerhard Ruiss, Leiter der IG Autorinnen Autoren. "Wir erhoffen uns, dass die Wiener Stadtpolitik erkennt, was für ein Potenzial darin steckt."

Als Beispiele für Institutionen, die laufend auf der Suche nach freien Flächen seien, nannte Geschäftsführer Christoph Robol die Technische Universität, die Akademie der Bildenden Künste, die Uni für Angewandte Kunst oder die Vinzi-Projekte von Cecily Corti. Konkreter auf die Pläne wollten die Vertreter der IG mit dem Hinweis darauf, dass es sich um ein laufendes Bieterverfahren handle, nicht eingehen.

"Bastion gegen Vereinfachung und Verdummung"

Mitglied der IG Funkhaus, die sich aus den Aktivisten, die für den Erhalt des Funkhauses eintraten und mittlerweile aus mehreren Tausend Mitgliedern aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft besteht, ist auch der Musiker Willi Resetarits. "Ich liebe das Radio und ich liebe das Funkhaus", sagte er. Er sei "wahnsinnig glücklich" über diese Lösung, "die das wertvolle Areal der Kapitalmaximierung im Immobilienmarkt entzogen hat". Auch der Schauspieler Manuel Rubey sprach sich für den Erhalt der Ö1-Redaktionen im Funkhaus aus: "Das Funkhaus, wie es ist, ist eine der letzten Bastionen gegen Vereinfachung und Verdummung."

"Wir sind keine wehmütigen Traditionalisten", betonte der unter dem Namen Skero bekannte Rapper Martin Schlager. Das Gebäude sei nicht marode, sondern im Gegenteil auf dem neuesten Stand. Überzeugt davon, dass das Angebot für den ORF "sehr attraktiv ist", zeigte sich der Treuhänder der gemeinnützigen GmbH, Günther Robol. "Wir möchten gemeinsam mit dem ORF etwas entwickeln", betonte sein Sohn Christoph Robol. Durch die Gemeinnützigkeit könne man flexibel auf die Bedürfnisse des ORF eingehen und gleichzeitig das Haus für die Öffentlichkeit öffnen.

Die IG Funkhaus Wien sei nicht profitorientiert. "Vermutlich liegt damit das einzige nicht gewinnorientierte Angebot auf dem Tisch, das dem ORF Konditionen bei der Rückmietung des Funkhauses (oder von Teilen des Hauses) bieten kann, die einem rein kommerziellen Investor nicht möglich sind", so die IG Funkhaus.

Institution Radio gefährdet

"Wir würden die Institution Radio extrem gefährdet sehen, würden die Pläne des ORF umgesetzt und Ö1 auf den Küniglberg übersiedelt werden", sagte Markovics. Befürchtet werden eine Verkleinerung der Redaktionen und eine einfachere politische Einflussnahme. "Wir haben dagegen ein Modell entwickelt, dass der Bevölkerung das Funkhaus als idealen öffentlichen Raum über den bisherigen Bedingungen geben kann", so Markovics.

Den angebotenen Kaufpreis wollte die IG Funkhaus nicht nennen. "Es ist ein erstgenommenes Angebot, sonst wären wir nicht im Bieterverfahren", sagte Ruiss. Die Finanzierung des Eigenkapitels soll durch Crowdfunding geschehen. Auf ig-funkhauswien.at können sich Interessierte für einen "Baustein" anmelden. Die Chancen der IG Funkhaus beurteilte er als "sehr gut". "Ich glaube, wir sind der ideale Partner."

ORF-Finanzdirektor Richard Grasl hält aber einen Verbleib der Radio-Sender im Funkhaus für "ausgeschlossen". "Von den Konzepten der Bewerber wird abhängen, ob der ORF kleine Flächen behalten wird.", sagte er kürzlich vor Medienjournalisten.

Hintergrund des Verkaufs des ORF-Funkhauses, in dem derzeit die Radios Ö1 und FM4, das Landesstudio Wien sowie das Radio Symphonie Orchester und das RadioKulturhaus untergebracht sind, ist die geplante Zusammenführung der Wiener ORF-Standorte im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg. Diese soll bis 2020 erfolgen. (red, APA)

  • Willi Resetarits und Karl Markovics von der IG Funkhaus.
    foto: apa/herbert neubauer

    Willi Resetarits und Karl Markovics von der IG Funkhaus.

  • Christoph Robol, IG-Treuhänder und Schauspieler Manuel Rubey: ""Das Funkhaus, wie es ist, ist eine der letzten Bastionen gegen Vereinfachung und Verdummung."
    foto: apa/herbert neubauer

    Christoph Robol, IG-Treuhänder und Schauspieler Manuel Rubey: ""Das Funkhaus, wie es ist, ist eine der letzten Bastionen gegen Vereinfachung und Verdummung."

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