Pensionist hilft Menschen, die sich Flucht aus Syrien nicht leisten können

Porträt17. März 2016, 07:23
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Adnan Wahhoud, pensionierter Techniker aus Süddeutschland, unterstützt syrische Flüchtlinge

Bregenz – 2011 hat Adnan Wahhoud aus Bodolz am deutschen Bodenseeufer sein Leben völlig umgekrempelt. "Als der Ruf nach Freiheit, Menschenwürde und Demokratie in meiner Heimat Syrien mit Gewalt niedergemacht wurde, war ich gerade 60", erzählt Wahhoud, "und beschloss, früher als geplant in Pension zu gehen, um den Menschen in Syrien zu helfen."

Er habe es gut gehabt im Leben, sagt der promovierte Techniker, der vor 40 Jahren als Student nach Deutschland kam. Der junge Mann aus einfachen Verhältnissen, sein Vater war Weber, hat in der Wahlheimat Maschinenbau studiert, machte Karriere "und auch ein bisschen Geld". Der Syrer leitete eine Forschungsabteilung bei Dornier, hält zahlreiche Patente.

Wahhoud machte sich als Neopensionist auf den Weg nach Syrien, wollte wissen, "was die Menschen brauchen". Seither hilft er jenen, "die sich eine Flucht ins Ausland nicht leisten können, in syrischen Lagern leben", berichtete er am Dienstagabend im Vorarlberg-Museum in Bregenz anlässlich einer Veranstaltung zum Thema Flucht.

Hilfe für Flüchtlinge in Syrien

Im ersten Lager, das er besuchte, war Adnan Wahhoud mit Konflikten wegen Wassermangels konfrontiert. Er ließ sich die Situation schildern, finanzierte zusätzliche Tanks, ließ einfache Leitungen zur konfliktfreien Wasserentnahme legen. Mit Know-how und Organisationstalent könne man auch mit geringen finanziellen Mitteln sinnvolle Hilfsmaßnahmen setzen, sagt Wahhoud.

Seit 2013 organisiert er medizinische Hilfe für Flüchtlinge in Syrien. Er managt die Errichtung von Medical Points, Sanitätsstationen, in Gebieten ohne medizinische Versorgung. Die ersten Stationen trugen den Namen "Lindau" im Schriftzug. Aus Wahhouds deutscher Wahlheimat kamen die ersten Spenden, die erste personelle Unterstützung durch Ärztinnen und Ärzte. Inzwischen beteiligen sich mehrere Gemeinden, sechs Medical Points wurden eingerichtet, jeder nach einer unterstützenden Gemeinde benannt.

Medizinische Versorgung

65 Prozent der Patientinnen und Patienten dort sind Kinder. Im Februar wurden in den sechs Einrichtungen knapp 6.800 Menschen behandelt. Mit seinem Verein Lindau-Hilfe für Syrien finanziert Wahhoud Personal, Ausstattung, Medikamente. 1.500 bis 2.000 Euro pro Monat kostet ein Medical Point, Personalaufwand inklusive. Adnan Wahhoud fährt alle sechs Wochen nach Syrien, um die Verwendung der Spenden zu kontrollieren.

Hilfstransporte würden nun immer schwieriger werden, bedauert Wahhoud. "Die Türkei macht die Grenzen dicht." Auch die Gefahr für die Helfenden steigt. So wurde ein aus Deutschland geliefertes Rettungsauto zerbombt. Doch Wahhoud macht weiter. Mit Medikamententransporten, Kleiderhilfe und Geldspenden für Familien, die durch den Krieg den Ernährer verloren haben.

Geldspenden für Frauen und Kinder

60 Frauen mit 200 Kindern in der Provinz Aleppo bekommen eine monatlich Unterstützung: 40 Euro Basishilfe plus zehn Euro pro Kind. Damit könne die Grundversorgung mit Lebensmitteln gewährleistet werden. Auch hier achtet Wahhoud besonders darauf, dass das Geld zu den Betroffenen kommt: "Ausbezahlt wird nur an die Frauen, nicht an die Onkel oder Brüder. Das Geld soll direkt an die Mütter und Kinder gehen."

Auch daheim in Lindau lebt Wahhoud kein Pensionistenleben. Er sammelt Spenden, hält Vorträge und unterstützt hier lebende Geflüchtete als Dolmetscher. Und bemüht sich weiter um den interkulturellen und interreligiösen Dialog. (Jutta Berger, 17.3.2016)

  • Adnan Wahhoud aus Lindau (Deutschland) organisiert Hilfe für Flüchtlinge in Syrien.
    foto: privat

    Adnan Wahhoud aus Lindau (Deutschland) organisiert Hilfe für Flüchtlinge in Syrien.

  • Sechs Medical Points in Syrien werden über Spenden aus Deutschland finanziert.
    foto: wahhoud

    Sechs Medical Points in Syrien werden über Spenden aus Deutschland finanziert.

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