Körperverletzungsprozess: Der frustrierte Nationalkicker

16. März 2016, 14:06
38 Postings

Ein 32-jähriger Ex-Fußballer soll zwei Personen verletzt und ein Auto beschädigt haben. Die Verletzungsvorwürfe kann er sich nicht erklären

Wien – 45-mal spielte Ilčo Naumoski für das mazedonische Nationalteam, auch in der heimischen Bundesliga schoss er Tore. Sich damit aber nicht in die Herzen von Schiedsrichtern, Gegnern und deren Fans. Er galt als "Bad Boy", der immer wieder Sperren ausfasste.

Richterin Martina Krainz muss im Prozess wegen schwerer Körperverletzung entscheiden, ob der unbescholtene 32-Jährige, der nach einer schweren Verletzung seine Karriere beendet hat, auch aus strafrechtlichen Gründen gesperrt wird.

Es geht um drei Vorfälle: Im November 2010 soll er in Mattersburg, wo er den Ball damals trat, ein Auto beschädigt haben. Einen Monat später in Wiener Neustadt nach einem Spiel den Zeugwart der Heimmannschaft mit einem Faustschlag verletzt haben. Und schließlich im Sommer 2015 vor einem Lokal mit Mittätern einen anderen Gast bewusstlos getreten und schwer verletzt haben.

Auto beschädigt, Schaden bezahlt

Die Beschädigung des Autos gesteht er, der Schaden von 700 Euro sei aber bereits beglichen. Die Attacke auf den Zeugwart, bei dem im Krankenhaus eine Kieferprellung, eine Gehirnerschütterung und ein Tinnitus diagnostiziert wurden, leugnet er. Und erst recht die brutale Attacke vor dem Lokal.

Zunächst interessiert die Richterin die Sache auf dem Fußballplatz. Es war der 4. Dezember 2010, Mattersburg bekam in der 81. Minute das entscheidende 1:0, acht Minuten später wurde Naumoski ausgetauscht.

Auf dem Weg in die Kabine kam ihm nach dem Spiel der ihm gut bekannte Zeugwart entgegen. "Er hat was Provozierendes gesagt, ich darauf 'Schleich dich einfach', und habe ihn mit drei Fingern ins Gesicht weggestoßen." Die Verletzungen könnten unmöglich so entstanden sein. Außerdem, betont er, habe das Verfahren bei der Bundesliga ihm nur eine Sperre von drei Spielen bedingt eingebracht, da die Zeugenaussagen widersprüchlich waren.

Ansatzloser Faustschlag gegen Zeugwart

Der verletzte Harald E. erinnert sich dagegen, den Angeklagten auf dem Weg über das Feld gegrüßt zu haben, worauf der ihn ansatzlos mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. Die anderen Anwesenden sagen, weder etwas gesehen noch Verletzungen wahrgenommen zu haben. Zwei müssen allerdings zugeben, dazwischen gegangen zu sein, beschreiben die Situation dennoch als harmlos.

Am schwersten wiegt der Vorwurf aus dem vergangenen Sommer. "Das ist mein Stammlokal, ich bin gegen, zehn, elf hingekommen." – "Hat es einen Streit gegeben?", fragt die Richterin. "Nicht, dass ich wüsste, es war alles ganz normal", sagt der Angeklagte, der auch betont, dort noch nie Probleme gemacht zu haben.

Richterin sieht Selbstüberschätzung

"Warum sollen Sie dann Zeugen belasten?", wundert sich Krainz. "Weil ich ein berühmter Fußballer war", antwortet Naumoski. "Ist das nicht eine Selbstüberschätzung? Damit jemand sagen kann, ein Berühmter hat ihn niedergeschlagen?", wundert sich die Richterin erst recht.

Das 23-jährige Opfer kann sich an nichts mehr erinnern, seine Frau und deren beste Freundin sehr wohl. Es sei gegen drei Uhr morgens gewesen, als das Trio das Lokal verlassen habe. Vor der Tür sprach der Betrunkene andere Männer an, "um Spaß zu machen", sagt eine Zeugin.

Aus dem Spaß wurde ein verbaler Streit, plötzlich sei jemand aus dem Lokal gestürmt und habe das Opfer attackiert. Worauf auch die anderen Männer anfingen, mit den Füßen gegen das Gesicht des Opfers zu treten.

Karriereende nach schwerer Verletzung

Für Naumoski ist die Schilderung der klare Beweis, dass er es nicht gewesen sein könne. Denn er hatte rund ein halbes Jahr vorher einen offenen Schien- und Wadenbruch erlitten sowie mehrfache Bänderrisse. Noch immer leide er daran, er könne unmöglich zutreten.

Die beiden Zeuginnen erkennen ihn allerdings eindeutig wieder. Auch, da unmittelbar nach der Flucht der Angreifer ein weiterer Mann aus dem Lokal kam und fragte, ob der Angeklagte involviert gewesen sei – dazu zeigte er den Frauen ein Foto auf Facebook.

Sie sind überzeugt, dass es der Ex-Fußballer gewesen ist, und schildern auch die dramatische Situation: "Sie haben weiter auf ihn getreten, als er schon bewusstlos war! Wir haben geglaubt, er ist tot, überall war Blut!"

Um ein vom Verteidiger beantragtes Gutachten über die beinverletzungsbedingte Beeinträchtigung des Angeklagten einzuholen, vertagt Krainz schließlich auf unbestimmte Zeit. (Michael Möseneder, 16.3.2016)

Share if you care.