ORF zeigt wenig Interesse an Ausbau von Digitalradio in Österreich

16. März 2016, 13:46
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Wrabetz: "Wenn wir nicht mehr Programm machen dürfen, macht das keinen Sinn" – Wunsch nach fünf neuen nationalen ORF-Programmen – Arabella macht bei Europäischer Digitalradio-Allianz mit

Wien – Der ORF hat kein Interesse an der Verbreitung von digitalen Hörfunk im Standard DAB+. Dies teilte der öffentlich-rechtliche Sender der Medienbehörde KommAustria mit, die derzeit den Bedarf für Digitalradio in Österreich erhebt. "Wenn wir nicht mehr Programm machen dürfen, macht das für uns keinen Sinn", erklärte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gegenüber der APA die Absage.

Keine weiteren Rundfunkprogramme

Der ORF kann nach der geltenden Rechtslage keine weiteren Rundfunkprogramme veranstalten, DAB+ ist in keinem europäischen Land ein herausragender Erfolg, die Technik hinter DAB+ ist 30 Jahre alt, es gibt 15,5 Millionen UKW-Radiogeräte in Österreich, was den Umstieg schwierig macht, und ein forcierter Technologieumstieg gefährdet die Gattung Radio, fasste Wrabetz die Kernkritik zusammen, die in dieser Woche auch der KommAustria übermittelt wurde. Für den ORF würden sich durch den notwendigen mehrjährigen Parallelbetrieb darüber hinaus eine Mehrbelastung von 50 Millionen Euro im Jahr ergeben, so der ORF-Chef.

Fragen der Finanzierung

"Ein Umstieg auf DAB+ kommt für den ORF nur dann in Frage, wenn alle Fragen der Finanzierung inklusive Tunnelversorgung geklärt sind, und der Gesetzgeber dem ORF auch tatsächlich neue – auch publikumsattraktive – Programmformate ermöglicht." Im gesamten Ausbau der DAB+ Bedeckung sollten für den ORF mindestens fünf neue nationale Programme vorgesehen werden, zusätzlich müssten alle neun Regionalsender des ORF bundesweit verbreitet werden können, so der Wunsch des Senders. Wrabetz empfiehlt, die Entwicklung von Digitalradio auf anderen Märkten vorerst zu beobachten. "Nur weil es ein paar Radios und die Geräteindustrie wollen, sollten wir uns nicht in ein Abenteuer reinjagen lassen", meinte der ORF-General. Als negatives Beispiel führte Wrabetz auch die Umstellung auf digitales terrestrisches Fernsehen an. "Das hat vor allem deutschen Satellitensendern geholfen. Es braucht zuerst eine österreichische Content-Strategie und die Klärung der Finanzierung des Umstiegs."

Umstieg gegen Marktanteil

Die KommAustria ermittelt derzeit auf Basis ihres Digitalisierungskonzepts 2015 das Interesse an Digitalradio. Seit Mai des Vorjahres läuft in Wien ein erster Digitalradio-Testbetrieb mit rund 15 Radioprogrammen. Neben bestehenden Sendern wie Radio Arabella, Radio NRJ oder Lounge FM strahlen dabei auch zehn neue Programme über den Digital-Standard DAB+ aus. Der ORF und der größte heimische Privatsender Kronehit machten dabei bisher nicht mit. Die Platzhirschen wollen den Umstieg von analogem auf digitales Radio möglichst lange hinauszögern, um ihre Marktanteile nicht zu gefährden, und forcieren stattdessen den Ausbau ihrer Internet-Radio-Angebote.

Mit dem Digitalisierungskonzept der KommAustria sollen spätestens im ersten Halbjahr 2017 eine oder mehrere Bedeckungen für digitalen terrestrischen Hörfunk im DAB+-Standard ausgeschrieben werden, damit spätestens 2018 – parallel zur UKW-Verbreitung – der Regelbetrieb laufen kann. Neben Wien sollen weitere Hörfunkcluster im Osten Österreichs sowie in den Landeshauptstädten entstehen, die entlang der Hauptverkehrsadern zusammenwachsen. So soll im Großteil Österreichs Digitalradio zu empfangen sein. Im Endausbau wären 24 bis 30 bundesweite Radioprogramme in Österreich denkbar. Mit der Abschaltung von UKW ist dabei nicht vor 2024 zu rechnen.

Digitalradio lässt sich nicht aufhalten

Für Radio Arabella-Geschäftsführer Wolfgang Struber, der auch eine der treibenden Kräfte hinter dem in Wien laufenden Digitalradio-Testbetrieb ist, lässt sich der Zug Richtung Digitalradio jedenfalls nicht aufhalten. "Seit den Radiodays Europe in Paris ist klar, dass DAB+ zum Radio der Zukunft wird", sagte Struber zur APA. BBC, ARD, die Schweizer SRG und weitere europäische Radioveranstalter haben in Paris dieser Tage die Europäische Digitalradio Allianz gegründet. Aus Österreich ist das private Radio Arabella mit von der Partie.

In der Allianz haben sich öffentlich-rechtliche und private Sender zusammengeschlossen, die gemeinsam mehr als 300 Radiostationen in mehr als einem Dutzend Ländern betreiben und rund 130 Millionen Hörer erreichen. Zur ersten Präsidentin der Allianz wurde BBC-Radiochefin Helen Boaden gewählt. "Unsere Mitglieder setzen ein klares Zeichen, um den digitalen Radiostandard DAB+ zum Hauptverbreitungsweg für ihre Programme zu machen", sagte Boaden. "Digitalradio bringt enorme Vorteile, aber wir haben bei seiner Einführung zu lange auf die nationale Ebene gesetzt. Jetzt, wo DAB+ zum Radio der Zukunft wird, ist Europa gefordert", meinte die BBC-Radiochefin.

DAB+ als Hauptverbreitungsweg für Hörfunk

"Radio Arabella setzt als erstes und einziges österreichisches Radio in der Europäischen Digitalradio Allianz ein starkes Zeichen, den Radiostandard DAB+ zum Hauptverbreitungsweg für Hörfunk zu machen", erklärte der Arabella-Chef das Engagement des Senders. In Paris wurde laut Struber auch das erste DAB+-fähige Smartphone vorgestellt, das schon bald in Österreich erhältlich sein soll. "Die Radionutzung kommt auf neue Plattformen, auch wenn das in Österreich manche nicht wahrhaben wollen", so Struber. (APA, 16.3.2016)

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