Berliner Mordanschlag mit Autobombe war möglicherweise Racheakt

16. März 2016, 12:29
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Vieles deutet laut Staatsanwaltschaft auf Fehde krimineller Organisationen hin

Berlin – Der Mordanschlag mit einer Autobombe in Berlin könnte ein Racheakt innerhalb der organisierten Kriminalität gewesen sein. Es gebe verschiedene Hinweise aus dem Umfeld des Getöteten, die nun gebündelt werden müssten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwoch. Ein 43-Jähriger war am Dienstag während einer Autofahrt in Charlottenburg bei einer Explosion getötet worden.

Der Vorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, Andre Schulz, sagte im ZDF-"Morgenmagazin", es heiße, das Opfer habe zuvor bei der Polizei ausgesagt und sei "deswegen abgestraft" worden. Der Staatsanwaltschaft zufolge war der Mann wegen Drogen- und Falschgelddelikten und illegalen Glücksspiels bei der Polizei bekannt. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass er vor einiger Zeit im Ausland wegen eines Drogendelikts inhaftiert war.

Terroristischer Hintergrund ausgeschlossen

Am Mittwoch begannen Ermittler Vernehmungen von Personen aus dem Umfeld des Opfers und Zeugen des Vorfalls. In dessen Wohnung wurde Steltner zufolge nichts gefunden, "was uns substanziell weiterbringen würde". Offen war auch, ob der Angriff den Falschen getroffen hat – der Getötete war nicht der Halter des Wagens. Einen terroristischen oder rechtsextremistischen Hintergrund schließen die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit aus.

Die Täter suchten mit diesem Mordanschlag nach Ansicht eines Polizeigewerkschafters bewusst die Öffentlichkeit: "Sie wollten damit ein Zeichen setzen", sagte Norbert Cioma, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Polizei, am Mittwoch im Inforadio des RBB. Der Hauptkommissar beim Landeskriminalamt sagte, es könnten Großfamilien sein oder Rocker oder die Russenmafia. Verstrickungen dieser drei Gruppen in die Organisierte Kriminalität in Berlin sind bekannt.

Schulz zufolge ist es jedoch schwer, im Milieu der Organisierten Kriminalität zu ermitteln, da die Beamten in "abgeschottete Welten" eindringen müssten. Dazu fehle es an Personal. Laut Statistik gebe es jedes Jahr in Deutschland etwa 600 Fälle Organisierter Kriminalität. Schulz betonte: "Das heißt nicht, es gibt nur 600 Fälle, sondern da ist die Kapazitätsgrenze der Polizei erreicht." (APA, 16.3.2016)

  • Ein Streit zwischen kriminellen Organisationen soll zum Bombenanschlag in Berlin geführt haben.
    foto: ap/michael sohn

    Ein Streit zwischen kriminellen Organisationen soll zum Bombenanschlag in Berlin geführt haben.

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