Blutzucker messen ohne Stich in den Finger

16. März 2016, 12:26
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Besonders für Kinder und Eltern soll eine neu zugelassene Methode zur Blutzuckermessung Vorteile bringen. Die Kosten werden noch nicht übernommen

Eltern eines Kindes mit Diabetes, müssen es häufig im Laufe der Nacht wecken, um den Blutzucker zu messen. Niedrige Werte in der Nacht, so genannte Hypolykämie ist die wohl größte Sorge von betroffenen Eltern und ein unter Umständen lebensbedrohliches Ereignis. Eine Studie hat erst 2013 festgestellt, dass bei Menschen mit Diabetes mellitus – vom Typ 1 oder Typ 2 – eine Hypoglykämie während des Schlafes eindeutig häufiger auftritt als es vielen Ärzten bewusst ist.

Bisher messen Diabetiker ihre Blutzuckerwerte mittels Fingerstich mehrmals täglich und können so nach den Empfehlungen ihrer Ärzte entsprechende Anpassungen ihrer Insulindosis, ihrer Diät und ihrer Aktivitäten vornehmen, um eine gute Blutzuckerkontrolle zu sichern. Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass Menschen mit Diabetes – und speziell Kinder und Jugendliche, diese Aufgabe nur widerwillig und damit zu selten wahrnehmen. Mit ein Grund dafür: die Unannehmlichkeiten und Schmerzen bei der Messung mittels Fingerstich.

Mit einem neuen Glukosemesssystem ist seit kurzer Zeit nun auch eine stichfreie Methode für Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis 17 Jahren zugelassen. Das Gerät des Herstllers Abbott Diabetes Care funktioniert so: Die Patienten bringen am äußeren Oberarm einen Sensor mit 35 Millimeter Durchmesser und fünf Millimeter Dicke auf. Das System ist selbst klebend, es besitzt eine fünf Millimeter lange und 0,4 Millimeter dicke Faser, die beim Aufbringen in das Unterhautgewebe eindringt. Über diese Faser wird der Blutzucker via Gewebsflüssigkeit erfasst. Laut einer vom Hersteller durchgeführten Umfrage, fanden 83 Prozent der Testpersonen das Eindringen der Faser als schmerzfrei.

Wechsel nach 14 Tagen

Fährt der Patient mit einem kleinen Lesegerät über den Sensor, wird der aktuelle Blutzuckerwert auf einem Bildschirm angezeigt. Da die Messeinheit auf jeden Fall alle 15 Minuten einen Test durchführt, wird gleichzeitig ein Profil über die vergangenen acht Stunden angezeigt. Damit kann der Zuckerkranke erkennen, ob der Wert ansteigt oder vielleicht stärker abfällt. Der Sensor ist in bis zu einem Meter Wassertiefe und für 30 Minuten wasserdicht und kann beim Sport getragen werden. Ein Sensor-Modul wird 14 Tage getragen und dann entsorgt.

Das Lesegerät kostet 59,90 Euro und kann immer wieder für alle neu angebrachten Sensoren verwendet werden. Der Sensor muss alle 14 Tage ausgewechselt werden und kostet ebenfalls 59,90 Euro. Ob die Kosten für das neue Gerät von der Krankenkasse übernommen werden, steht derzeit noch nicht fest. Abbott Diabetes Care rechnet mit einer Entscheidung noch im ersten Quartal 2016. (APA, red, 16.3.2016)

Laut der International Diabetes Federation (IDF) findet sich in Europa die höchste Anzahl von Kindern – im Alter von 0 bis 14 Jahren – mit Typ-1-Diabetes, – und zwar etwa 140.000. Innerhalb dieser europäischen Region haben Großbritannien, Russland und Deutschland die größte Population an Kindern mit Typ-1-Diabetes.


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  • Die Daten werden von einem Sensor auf ein Lesegerät übermittelt. Der Sensor muss nach 14 Tagen ausgetauscht werden und kostet 59,90 Euro.
    foto: abbott-harald eisenberger

    Die Daten werden von einem Sensor auf ein Lesegerät übermittelt. Der Sensor muss nach 14 Tagen ausgetauscht werden und kostet 59,90 Euro.

  • Abbott Diabetes Care Österreich vergibt kostenlos insgesamt 500 Startersets bestehend aus einem Lesegerät und zwei Sensoren für Kinder und Jugendliche. Mehr als 50 dieser Sets wurden bereits bei einer Auftaktveranstaltung in Wien an betroffene Kinder und Jugendliche übergeben.
    foto: abbott-harald eisenberger

    Abbott Diabetes Care Österreich vergibt kostenlos insgesamt 500 Startersets bestehend aus einem Lesegerät und zwei Sensoren für Kinder und Jugendliche. Mehr als 50 dieser Sets wurden bereits bei einer Auftaktveranstaltung in Wien an betroffene Kinder und Jugendliche übergeben.

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