Heftige Kontroverse um "scharfe Flüchtlinge" auf Instagram

16. März 2016, 10:58
48 Postings

Der "HotMigrants"-Account will "die Realität näherbringen" und "helfen, mit der Situation umzugehen"

Ein Instagram-Account namens "HotMigrants" schlägt Wellen in sozialen Netzwerken. Er wurde von einem US-Amerikaner Mitte 20 erstellt, dessen Eltern aus dem Nahen Osten stammen. Er will damit laut NYMag anderen helfen, "mit der Situation zurecht zu kommen". Es sei schwierig, "Humor in so einer Tragödie" zu finden, mit diesem Projekt wolle er dies aber schaffen. Außerdem sei sein Ziel, den Menschen auf Instagram die "Lebensrealität der Flüchtlinge" näher zu bringen. Zwar folgen dem Konto insgesamt nur etwas mehr als 3.200 Abonnenten, davon erfahren dürften aber unzählige mehr haben. Denn auf Twitter und Facebook gibt es bereits Kampagnen gegen die Seite.

Heftige Kritik

Mittlerweile haben auch zahlreiche Medien über den Instagram-Account berichtet. Auch sie äußern große Kritik. "Es fällt einem schwer, zu sehen, wie diese Aktion den Flüchtlingen hilft", schreibt etwa Quartz. Die Seite stößt sich etwa an den provokanten Bildunterschriften wie "Die Ägäis überwunden? Noch immer perfekt aussehend." Auf der Überfahrt über das Mittelmeer kamen in den vergangenen Monaten tausende Menschen ums Leben.

Crossed the Aegean? ✔ Looking flawless in Lesbos? ✔ ✔ ✔

Ein von Hot Migrants 🔥 (@hotmigrants) gepostetes Foto am

"Kein Weg, wie das lustig sein könnte"

Das NYMag schreibt zwar davon, dass es durchaus helfen könne, die Masse an Flüchtlingen den Menschen durch den Fokus auf individuelle Gesichter greifbarer zu machen, allerdings gebe es "keinen Weg, wie der gewählte Ansatz lustig sein könnte". Vice kritisiert, dass man "anonyme Zahlen von flüchtenden Menschen durch ihre Geschichte zu Personen machen (soll), nicht (ausschließlich) durch ihren Bart oder die ausgeprägten Wangenknochen – wobei man natürlich nicht leugnen kann, dass sich schlimme Geschichten von schönen Menschen oft leichter verkaufen."

Das Klischee vom "fremden Mann"

Gleichzeitig spielt der Account – wohl ohne Wissen des Autors – auf eine sozialpsychologische Komponente im Streit um die Aufnahme von Flüchtlingen an. Das Klischee des "schönen, exotischen Mannes", der die "eigenen" Frauen verführt, wird momentan in ausländerfeindlichen Kreisen wieder reaktiviert. Oftmals wird Aktivistinnen und Helferinnen vorgeworfen, dies lediglich aus sexuellen Motiven zu tun. (red, 16.3.2016)

  • "Fesch in Rosa – schau frisch aus, wenn du ein neues Leben beginnst" – mit solch zynischen Bildunterschriften sorgt der Account für Aufregung
    foto: screenshot/instagram

    "Fesch in Rosa – schau frisch aus, wenn du ein neues Leben beginnst" – mit solch zynischen Bildunterschriften sorgt der Account für Aufregung

Share if you care.