Immobilienmogule als eigentliche Profiteure Olympias

16. März 2016, 06:02
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Ohnehin hohe Preise auf dem Wohnungsmarkt von Rio steigen weiter. Die Krise lastet auf Vorbereitungen für die Spiele

Rios Bürgermeister Eduardo Paes steht hemdsärmelig und wild gestikulierend mit einem Mikrofon vor einer Traube von Kameras. Heute kann er endlich einmal gute Nachrichten überbringen. Es geht nicht um den Zika-Virus oder Korruption bei den Olympischen Spielen. Über ihm erstreckt sich die imposante Metallkonstruktion der Basketball-Arena im olympischen Park. Und viel wichtiger: Sie ist rechtzeitig fertig geworden. "Wir zeigen, dass wir Olympia können", ruft der 46-Jährige stolz aus.

Dabei gibt es rund 150 Tage vor Beginn der weltweit größten Sportspiele fast täglich Negativschlagzeilen. Kürzlich musste das Organisationskomitee (OK) nochmals empfindliche Einsparungen bekannt gegeben. Das Budget wurde seit Oktober damit um mehr als 30 Prozent gekürzt. Kein Wunder, Brasilien steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten fest. Davon bleiben die Olympia-Vorbereitungen nicht verschont. Bei den Ruderern wurden aus Kostengründen die Plätze auf der Zuschauertribüne zusammengestrichen, der Plan einer schwimmenden Tribüne ganz aufgegeben. Freuen dürfen sich indes die Athleten im olympischen Dorf. Die Klimaanlagen in ihren Zimmern fallen doch nicht der Sparliste zum Opfer. Nach einem Proteststurm des IOC versprachen die Organisatoren eine "kreative Lösung" und tauschen Fernseher gegen Klimaanlage.

Keine Lust auf Spiele

Und auch bei vielen Brasilianern scheint sich keine Lust auf die Spiele einzustellen. Der Kartenabsatz im Austragungsland läuft schleppend. Nur knapp die Hälfte des Kontingents konnten bisher verkauft werden.

"Es wurden zu viele Versprechen gebrochen", sagt der Stadtplaner Vinicius de Moraes Netto von der Universität Federal Fluminense (UFF). "Die Olympischen Spiele sind eine vertane Chance." Es bleibe nichts, was die Lebensqualität der Menschen verbessern würde. Rio ist heute schon die teuerste Stadt Brasiliens. Die Spiele erhöhen den Druck auf Mieten und Dienstleistungen noch. Netto kritisiert, dass für Olympia nur Luxusbauten, aber keine Sozialwohnungen entstanden seien. "Alles wurde hinter verschlossenen Türen ohne Bewohner entschieden", sagt der Dozent.

Geteilte Stadt

Alle Olympia-Investitionen fließen in den wohlhabenden Süden, in die Mittel- und Oberklasseviertel an den Stränden. Der Großraum mit seinen zwölf Millionen Bewohnern wird vernachlässigt. Als Gewinner stehen schon jetzt Immobilienfirmen wie Carvalho Hosken fest. Das ganze Gelände rund um den Olympia-Park in Barra da Tijuca wurde enorm aufgewertet, vor allem durch die zwangsweise Umsiedlung von Armensiedlungen.

Das Konsortium um den 91-jährigen Immobilienmogul Carlos Carvalho errichtete das olympische Dorf mit 31 Hochhäusern. Nach den Spielen werden die Wohnungen zu Luxusappartements umgerüstet und stehen für rund 20.000 Euro pro Quadratmeter zum Verkauf. "Es lohnt nicht, Arme aus den Favelas zu holen. Wir brauchen Wohnungen für Reiche", sagt Carvalho wie selbstverständlich.

Keine Postkartenidylle

Die Guanabara-Bucht vor den Toren der Stadt verspricht nur von weitem Postkartenidylle. Pro Sekunde ergießen sich hier 10.000 Liter ungeklärtes Abwasser. In der vor Fäkalien stinkenden Brühe sollen die Segelwettbewerbe stattfinden. Die Säuberung der Bucht war eine IOC-Auflage, wurde aber nicht angegangen.

Statt Kläranlagen errichteten die Behörden Barrieren, also Stahlgitter, in denen Schutt, Kühlschränke und Müll hängenbleiben. "Dort, wo die Segelwettbewerbe stattfinden, ist die Bucht sauber", beruhigt Paes. Doch Untersuchungen zeigen das Gegenteil. Das Wasser ist mit Bakterien und Viren verseucht. Nach Trainingseinheiten klagten Sportler wie Österreichs Segler David Hussl über Übelkeit und Erbrechen. (skr, 16.3.2016)

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