Unsere Zukunft mit den Muslimen

Kolumne15. März 2016, 17:37
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Die Grenze dichtzumachen ist keine endgültige Lösung. Es verschiebt das Problem nur in andere Länder

Angenommen, Sie sind ein Bewohner eines Stadtviertels, in das nun ein paar Hundert Flüchtlinge, überwiegend Muslime, in hohem Ausmaß junge Männer, einziehen sollen. Haben Sie nicht ein Recht auf Besorgnis, ja auf Angst und letztlich auf Protest?

Jedenfalls ein Recht auf Verständnis. Wenn sich in Liesing etwa tausend Menschen versammeln, um gegen eine Unterkunft für 700 Flüchtlinge zu protestieren, so hat das schon mit der Hetze der FPÖ zu tun; auch mit relativ feindseligen Einstellungen zu Fremden an sich. Aber auch mit einer nicht ganz unberechtigten Verunsicherung. Massenquartiere machen Probleme. Junge Männer, die nichts zu tun haben – und mit einer mittelalterlichen Einstellung zu Frauen und zur modernen Welt überhaupt -, machen Probleme. Und der Anblick von völlig verhüllten Frauen macht jenen Probleme, die sich mühsam für die Emanzipation eingesetzt haben.

Die Krise hat Abstiegsängste erzeugt, und die Zuwanderung verstärkt sie, weil die meisten diese Menschen als Konkurrenz empfinden. Sie sehen ihr bisheriges Lebensmodell bedroht. Das hat potenziell dramatische politische Folgen.

Die große Frage ist, wie Österreich mit dem Problem der fremden Kultur umgeht, die hier eine starke Minderheitenposition hat. Wir haben in Wahrheit ja nicht oder noch nicht die Integration der ursprünglichen Zuwanderer (bzw. ihrer Nachkommen) geschafft. Wie jetzt auch noch einen Zustrom von Flüchtlingen aus einer fremden Gesellschaft verkraften? Die Wahrheit ist, dass ein Teil der Kriegsflüchtlinge aus der Mittelschicht ihrer Herkunftsländer kommt, aber ein mindestens so großer Teil ganz schlecht gebildet ist und vor allem völlig unrealistische Vorstellungen davon hat, wessen es bedarf, um in unserer Gesellschaft bestehen zu können.

Immer häufiger dringen Nachrichten über eine "verlorene Generation" aus unseren Schulen. Dazu kommt, dass viele Zuwanderer aus gewaltbetonten Gesellschaften wie Afghanistan und Tschetschenien kommen und ihre Dämonen hierher mitbringen.

Das sind schlechte Aussichten. Was diese Aussichten aber wirklich schlecht macht, ist die bisher gezeigte Unfähigkeit unserer gesellschaftlichen Funktionseliten, die durchaus gefährliche Situation anders als nur defensiv anzugehen. Die FPÖ, die in den Umfragen weit vor den Regierungsparteien liegt, will den Eindruck erwecken, man könne all diese Fremden hinausschmeißen. Aber auch SPÖ und ÖVP wissen nichts anderes als "die Grenze dichtmachen". Aber das ist keine endgültige Lösung. Es verschiebt erstens das Problem nur in andere Länder und beantwortet zweitens nicht die Frage, wie man jene eingliedert, die schon da sind.

Es gibt jede Menge an Einzelmaßnahmen, einen "Masterplan" gibt es nicht. Vielleicht kann es ihn nicht geben. Aber es gibt nicht einmal den Versuch, mögliche Strategien zu diskutieren. Wie sieht die Zukunft aus? Wie sieht unsere Zukunft mit 700.000 Muslimen aus? Wie kann man sie möglichst positiv gestalten? Gedanken und Anregungen dazu sind willkommen. (Hans Rauscher, 15.3.2016)

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