Die Wunderkammer des Terry Winters

15. März 2016, 17:34
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"Das Kabinett des Malers" als Dialog zwischen Kunst und Natur

Graz – Gehirnkorallen, eine Austernbank, viele bunte tote Kolibris, ausgestopfte Eulen, Bergkristalle, Glasquallen und dazwischen großformatige Malereien von einer Materialität, die man gerne nicht nur ansehen, sondern angreifen würde.

Der Maler Terry Winters hat sich in den naturkundlichen Abteilungen des Universalmuseums Joanneum bedient und eine für das Kunsthaus Graz maßgeschneiderte Ausstellung geschaffen: Das Kabinett des Malers heißt diese Wunderkammer, in der Kunst und Wissenschaft in einem bunten, offenen Dialog herrlich schwatzen, Fragen stellen und manchmal Antworten geben.

Das Sammelsurium des 1949 in Brooklyn geborenen Künstlers hat System. Mit Mustern, einer wiederkehrenden Sprache von abstrakten Zeichen bildet Winters Realität ab: Die Fundstücke aus der konservierten Natur werden direkt mit den massiven Ölbildern, aber auch mit Drucken und Grafiken konfrontiert.

Hinter manchen Objekten aus dem Joanneum fand Winters auch recht interessante Geschichten. Eine riesenhafte Scheibe Tropenholz etwa kam ursprünglich nicht durch gezielten Sammlungseifer von Botanikern in den Besitz des zweitgrößten Museums Österreichs, sondern, weil es beim Zoll beschlagnahmt wurde. Jemand hatte versucht, das Holz illegal einzuführen und es landete so als Dauerleihgabe im Museum.

Terry Winters interessiert sich auch für virtuelle Bildwelten. Zwischen Sammlungsobjekten und Kunstwerken stehen Wände voll mit ausgedruckten Einträgen von der Social-Media-Plattform Pinterest, die sich so zu einer lexikalischen Wunderkammer vernetzen. Jedes Blatt eröffnet neue Verbindungen, die selbst gewählten Abzweigungen laden zur Reise in den Wissens- und Bilderkosmos ein.

Das Projekt hat Peter Pakesch, der im vergangenen Herbst die Leitung des Kunsthauses überraschend zurückgelegt hatte, in Zusammenarbeit mit Katrin Bucher Trantow kuratiert. Pakesch holte Winters nicht das erste Mal nach Graz. Der Künstler war auch Teil der ebenfalls zwischen Wissenschaft und Kunst oszillierenden Gruppenausstellung Die Vermessung der Welt – Heterotopien und Wissensräume in der Kunst.

Für die aktuelle Einzelausstellung liefen die Vorbereitungen über Jahre. Neben vielen jüngeren Arbeiten sind auch über zwanzig Jahre alte Ölbilder von Winters zu sehen – sein Bildvokabular zieht sich dabei unverkennbar konsequent über die Zeit.

Beim Presserundgang der Schau, die seit Donnerstag letzter Woche zugänglich ist, freute sich Pakesch über die Wirkung der Installationen im prägnanten Kunsthausraum. Es sei ein "Hirn ähnlich einer großen Wissensmaschine" entstanden. Der Katalog zur Ausstellung wird als integrativer Teil des Projekts gesehen. (Colette M. Schmidt, 16.3.2016)

Kunsthaus Graz, bis 21. 8., Themenführung am 23. 3.

  • Kunst und Wissenschaft im Dialog: Terry Winters' Malerei.
    foto: universalmuseum joanneum / n. lackner

    Kunst und Wissenschaft im Dialog: Terry Winters' Malerei.


  • Terry Winters, "Lumen", 1984.
    foto: jon abbott courtesy matthew marks gallery

    Terry Winters, "Lumen", 1984.

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