Peter-Rühmkorf-Ehrung mit Sax

16. März 2016, 09:00
posten

Am Donnerstag erweist Bernd Rauschenbach im Foyer des Bregenzer Theaters am Kornmarkt dem 2008 verstorbenen Autor seine Reverenz

"Gestorben wird doch unentwegt und allenthalben,/ und diese Abschiedsfeiern sind mir ein Gealber./ Hingegen einmal noch den Zug von Schwalben/ verfolgen, mit mir selbst als Oberschwalber."

Das wünschte der deutsche Autor Peter Rühmkorf (1929-2008) in seinem letzten Gedichtband Paradiesvogelschiß.

Das Buch erschien wie schon sein erstes (Irdisches Vergnügen in g, 1959) bei Rowohlt, wo der Autor bis 1964 als Lektor beschäftigt war. Rühmkorf machte sich auch einen Namen mit der Zeitschrift konkret, deren Titel er erfunden hatte. Dort betrieb er "Leslie Meiers Lyrikschlachthof".

Am Donnerstag erweist Bernd Rauschenbach im Foyer des Bregenzer Theaters am Kornmarkt Peter Rühmkorf seine Reverenz. Rauschenbach, Mitherausgeber der Rühmkorf-Werkausgabe und Arno-Schmidt-Experte, führt in die "ökologische Nische" gebundene Sprache und vermisst diese gemeinsam mit dem Pianisten Ulrich Jokiel und Peter Missler am Saxofon.

1981 widmete Rühmkorf dem Reim ein eigenes Buch: agar agar – zaurzaurim. Publiziert hat er auch Dramen, Tagebücher und Briefe, auf Tonträgern Kindertexte. "Den großen Zeitroman" zu schreiben habe Arno Schmidt ihm aufgetragen. Ein Schmidt-Lesebuch (Lesen ist schrecklich!) gab Rühmkorf 1997 heraus, die Romanaufgabe aber blieb unerfüllt. Betagt höhnte Rühmkorf über einen Typus des Poeta doctus: "Er war ein Dichter vom Schuh bis zum Scheitel/ mit Bildung gefüllt/ wie ein Staubsaugerbeutel."

Weder sich selbst noch Arno Schmidt, wiewohl beide belesen und gelehrt, wird der Lexikonfreund in diese Kategorie gepackt haben. Für alle, die die "Jazz und Lyrik"-Fraktion schon vermisst haben. (pen, 15.3.2016)

17. 3. Foyer im Theater am Kornmarkt, Bregenz, 20.00

Share if you care.