Das Gehirn lagert Erinnerungen um, wenn sie alt werden

15. März 2016, 15:01
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Für Informationen über weit zurück liegende Ereignisse ist nicht mehr der Hippocampus zuständig

Bochum/Osaka – Offenbar macht es einen Unterschied, ob sich unser Gehirn an Episoden erinnert, die weit in der Vergangenheit liegen oder an solche, die eben erst passiert sind. Japanische und deutsche Neurowissenschafter haben beobachtet, dass je nach Alter der gespeicherten Informationen andere Gehirnregionen zuständig sind.

Forscher sind sich einig, dass der Hippocampus eine entscheidende Rolle spielt, wenn wir kürzlich gespeicherte Erinnerungen abrufen. Besonders aktiv sind die zu ihm gehörenden Corno-Ammonis-Regionen 1 und 3 (CA1 und CA3). Dies sind Bereiche mit großen, weit verzweigten Nervenzellen. Gedächtnisexperten diskutieren jedoch darüber, was passiert, wenn abgerufene Erinnerungen ein halbes Leben zurück liegen. Ist der Hippocampus noch involviert oder spielen angrenzende, parahippocampale Regionen dann eine größere Rolle?

Die Wissenschafter von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Osaka University haben die Gehirnaktivität von Mäusen untersucht, während diese Erinnerungen abriefen, die einen Tag bis ein Jahr zurücklagen. Beim Menschen entspräche diese Zeitspanne bis zu 40 Jahren. Für ihre Studie wendeten dieWissenschafter ein hochauflösendes, molekulares Bildgebungsverfahren an. Es zeigt an, wie stark ein bestimmtes Gen ausgeprägt ist. Dieses Gen gibt Aufschluss über kognitive Prozesse.

Unterschiedliche Gehirnnetzwerke

"Zum ersten Mal konnten wir zeigen, dass komplett unterschiedliche Hirn-Netzwerke beteiligt sind, wenn wir jüngere oder sehr alte Erinnerungen abrufen", berichtet Magdalena Sauvage von der RUB. Die CA3-Region, die als der Erinnerungsspeicher im Hippocampus gilt, scheint keine Rolle mehr zu spielen, wenn wir sehr alte Erinnerungen abrufen. Vielmehr seien in diesem Fall weiterhin CA1 und zusätzlich angrenzende Bereiche des Hippocampus gefragt, wie die Forscher im Fachjournal "eLife" schreiben.

Der Grund für diese Änderung könnte in der Arbeitsweise der CA3-Region liegen. In CA3 werden Erinnerungen abgerufen, indem aus einem abgespeicherten Merkmal die ursprüngliche Erinnerung vervollständigt wird. Die Forscher vermuten, dass diese Kurznotizen über die Jahre immer stärker abbauen und letztendlich nicht mehr als ‚Erinnerungsstütze‘ genutzt werden können. So muss das Gehirn auf CA1 und Prozesse in angrenzenden Bereichen des Hippocampus zurückgreifen. (red, 15.3.2016)

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