Österreicherinnen haben es international am schwersten

16. März 2016, 10:00
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Internationale Karrierewege von Frauen sind mit vielen Stolpersteinen gepflastert. Was Abhilfe schaffen könnte

Immer mehr Frauen wollen international Karriere machen, ohne dabei auf eine Familie zu verzichten. Ob beide Wünsche vereinbar sind und wie das im Ländervergleich funktioniert, hat ein Forschungsprojekt der Johannes Kepler Universität Linz untersucht. Das Ergebnis: Österreichs Frauen haben es international am schwersten.

Iris Fischlmayr und Katharina Puchmüller vom Institut für Internationales Management verglichen mittels qualitativer Interviews Frauen aus Österreich, Kanada, Kolumbien und Taiwan, die Familie und internationale berufliche Reisetätigkeit verbinden. In allen Ländern gilt: Trotz Karriereverpflichtungen und Reisetätigkeiten sind es nach wie vor die Frauen, die im familiären Umfeld einen Großteil der Kinderbetreuungs- und Haushaltsaufgaben übernehmen. Sind diese Frauen im "Auslandseinsatz", müssen Helfer und Helferinnen – Partner, Freunde, Unternehmen und Familienangehörige – ihre familiären Aufgaben übernehmen.

foto: dpa/arno burgi
Sind Frauen beruflich unterwegs, übernehmen andere die Betreuung der Kinder – in Österreich nach wie vor nicht gerne gesehen.

Öffentliche Meinung skeptisch

Doch diese Unterstützung fällt länderspezifisch sehr unterschiedlich aus. Überraschend: Auch in Ländern mit traditionellerem Frauenbild als Österreich, etwa Taiwan oder Kolumbien, ist die Akzeptanz dieses Lebensmodells höher, weil die wirtschaftliche Notwendigkeit gesehen wird.

"Im Gegensatz dazu sehen sich Frauen in Österreich besonders häufig mit Stereotypen und wenig sozialer Akzeptanz aus der Gesellschaft konfrontiert, wenn sie sowohl eine internationale Karriere als auch Familie haben", sagt Fischlmayr.

Maßnahme: Betriebskindergärten

Auch wenn es in Kolumbien zum Beispiel nicht so viele Kinderbetreuungseinrichtungen gibt oder diese in Taiwan nicht ganz den sehr langen Arbeitszeiten angepasst sind, so übernimmt die Großfamilie nach wie vor einen Großteil der Unterstützungsleistungen. In Österreich ist dies nicht die Regel – und auch staatliche Ganztagesbetreuung gibt es keineswegs flächendeckend. Oftmals sind auch Unternehmen zu wenig dafür sensibilisiert, durch kleine Maßnahmen vielfliegende Frauen zu unterstützen.

"Flexiblere Arbeitszeiten vor und nach Reisen, ein Betriebskindergarten oder Krabbelstuben mit längeren Öffnungszeiten würden hier helfen", schlägt Fischlmayr daher vor.

foto: istock
Für viele ist es nicht leicht, alles unter einen Hut zu bringen.

Wertvolle Erfahrung

Die von den Forscherinnen befragten Frauen selbst sehen die Vereinbarung von Familie und Karriere als Vorbildfunktion für ihre Kinder sowie als Bereicherung für sich selbst.

Diese ersten Studienergebnisse wurden in der soeben erschienen April-Ausgabe der Fachzeitschrift "International Journal of Human Ressource Management" veröffentlicht. In einem weiteren Schritt arbeitet das Forschungsduo nun daran, die Nationalitätenvielfalt noch weiter auszubauen und einen stärkeren Fokus auf Unterstützungsmaßnahmen (zum Beispiel durch Unternehmen oder den Staat) für diese Frauen zu legen. (lib, 16.3.2015)

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