Eskalation im iPhone-Streit: FBI könnte Source Code verlangen

15. März 2016, 08:40
79 Postings

Die "nukleare Option" wurde bereits in einem Gerichtsdokument angedeutet

Sollte sich Apple weiterhin weigern, ein Programm zum Entsperren von iPhones zu entwickeln, könnte das US-Justizministerium Zugriff auf den Code des mobilen Betriebssystems iOS verlangen. Das berichten mehrere US-Medien unter Berufung auf Dokumente, die von der Regierung vor Gericht präsentiert wurden. Apple solle den Code samt Zertifizierungsschlüssel übermitteln. Dann könnte das FBI eigene Software basteln, diese als Apple-Original ausgeben und Nutzer ohne ihr Wissen überwachen.

Bei Datenschützern läuten deshalb die Alarmglocken. "Wir denken, dass das sehr schrecklich wäre", sagte Joseph Lorenzo Hall vom Center for Democracy & Technology zu Business Insider. Dem Wunsch der US-Regierung würden sich weltweit wohl zahlreiche andere Regierungen anschließen. Die Sicherheit der iPhone-Nutzer wäre damit massiv gefährdet.

Apple hält Option nicht für wahrscheinlich

Aus dem Justizministerium heißt es allerdings, dass der Weg über den Quellcode momentan nicht verfolgt würde. Apple selbst will darauf in seinen Argumenten noch nicht eingehen. Doch wenn der Prozess um ein gesperrtes iPhone vor dem Supreme Court landen sollte, könnte die US-Regierung auf einen Plan B umschwenken.

Keine Präzedenzfälle

Bislang gibt es keine Präzedenzfälle. Der E-Mail-Anbieter Lavabit war einst von der ersten Instanz verurteilt worden, durch die Weitergabe von Schlüsseln zur Entschlüsselung von Nachrichten beizutragen. NSA-Whistleblower Edward Snowden hatte Lavabit genutzt. Daraufhin hatte die Firma ihren Betrieb eingestellt. In anderen Ländern ist der Zugriff auf Quellcode hingegen bereits durchgesetzt worden. China darf etwa auf IBM-Quellcode zugreifen. (red, 16.3.2016)

  • Artikelbild
    foto: reuters/mcdermid
Share if you care.