Singapur hat weltbesten Flughafen, Wien hat Luft nach oben

14. März 2016, 18:40
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Wien rangiert unter den weltbesten Flughäfen auf Platz 38. München liegt als bester in Europa auf Rang drei und glaubt, das Erfolgsrezept zu kennen

Wien – Flughäfen sind zunehmend ein Objekt der Begierde. Seitdem Veranlagungen wegen des Zinstiefs kaum mehr etwas abwerfen, sucht sich vagabundierendes und anderes Kapital ertragreichere Möglichkeiten.

In Wien ließ am Montag der Pensionsfonds IFM Global Infrastructure Fund aufhorchen: Die Australier, die mit 29,9 Prozent am Vienna Airport beteiligt sind, wollen ihren Anteil um bis zu zehn Prozent aufstocken. Sie bieten den Aktionären 100 Euro je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 10,9 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag und einem Plus von 24,2 Prozent gegenüber dem Durchschnittskurs im Monat Februar.

Das Land Niederösterreich und die Stadt Wien halten gemeinsam 40 Prozent der Anteile. IFM geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die beiden Bundesländer inklusive der Mitarbeiterstiftung auch künftig 50 Prozent und damit die Mehrheit am Vienna Airport halten werden.

Potenzial nach oben

International hat der Flughafen Wien noch Potenzial nach oben. In einem Ranking der weltbesten Airports, die von der Unternehmensberatung Skytrax auf Basis einer Onlineumfrage gemacht wurde, rangiert der Flughafen Wien auf Platz 38. Angeführt wird die Liste von Singapur-Changi vor Seoul-Incheon, dem Hauptstadtflughafen von Südkorea und auf Platz drei München, gleichzeitig Europas bester Flughafen.

Die Strategieberatung Höffinger Solutions hat in einer dem STANDARD vorliegenden Studie fünf Erfolgsfaktoren für große, internationale Flughäfen identifiziert. "Dass die Basisdienstleistungen perfekt funktionieren, wird von den Flughafengästen mittlerweile vorausgesetzt", sagte Unternehmenschef Stefan Höffinger. Womit sich gute von weniger guten Flughäfen abheben würden, seien ein bestimmtes, dem Wohlbefinden dienliches Ambiente, höchste Qualitätsansprüche in allen Belangen sowie eine stringente Markenstrategie. Dazu gehörten aber auch Verantwortlichkeiten aus einem Guss und die Fähigkeit, Kunden mit überraschenden Angeboten längerfristig zu binden.

Reise- und Erlebniswelt

"Was auffällt, ist, dass jene Flughäfen, die von den Passagieren mit Bestnoten versehen werden, eine integrierte Reise- und Erlebniswelt bieten", sagte Höffinger. Das sei zwar nicht die ureigenste Aufgabe eines Airports, trage aber zum Gesamteindruck bei und sei im Zweifel entscheidend dafür, ob ein Fluggast sein finales Reiseziel über Flughafen A oder Flughafen B ansteuere.

Rainer Beeck, der beim Flughafen München für den kommerziellen Bereich zuständig ist, sieht darüber hinaus noch ein anderes Erfolgsrezept, mit dem der Airport München in die Top drei der Welt vorgestoßen ist: einen langfristigen Masterplan. Nichts passiere zufällig, somit könnten auch bei fortschreitendem Ausbau Wege kurz gehalten werden, womit man wiederum Kundenwünschen eins zu eins entspreche.

München ist mit 41 Millionen Passagieren pro Jahr ziemlich an seine Grenzen gekommen, was Start und Landungen betrifft. Nun wird eine dritte Start- und Landepiste diskutiert – ähnlich kontroversiell wie in Wien. 49 Prozent der Umsätze werden bereits im Non-Aviation-Bereich erzielt, bei den Erträgen ist es deutlich mehr als die Hälfte. Fallweise wird Beachvolleyball unter dem Flughafendach gespielt oder auf einer stehenden Welle gesurft. "Hat der Flughafen ein gutes Image, fliegen mehr Flugzeuge hin", sagte Beeck.

Die besten Flughäfen liegen in Asien, unter den ersten zehn finden sich gleich sechs Destinationen. In Europa sind noch Zürich (Platz sechs), London Heathrow (acht) und Amsterdam Schiphol (neun) topgereiht. (Günther Strobl, 15.3.2016)

  • Durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen Wien müssen alle Passagiere. Asiatische Airports punkten insbesondere mit Wohlfühlzonen.
    foto: apa/fohringer

    Durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen Wien müssen alle Passagiere. Asiatische Airports punkten insbesondere mit Wohlfühlzonen.

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