Schlechte Noten und Kritik für Faymanns Einzelauftritt

14. März 2016, 17:08
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Politexperten: Kanzler habe Chance vergeben, Regierungseinigkeit zu demonstrieren

Wien – Die Diskussion blieb dieses Mal in der Diskussionssendung Im Zentrum außen vor. Bundeskanzler Werner Faymann war am Sonntag der einzige Gast bei Ingrid Thurnher, um in die "Asyloffensive zu gehen", wie Wohlgesinnte titelten, oder um seinen Richtungswechsel in der Flüchtlingspolitik zu rechtfertigen, wie kritischere Stimmen sagten.

Das Interesse war jedenfalls groß. Der Markanteil lag bei 28 Prozent, das liegt deutlich über dem Quotenschnitt der Sendung. Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer kann Faymanns Auftritt durchaus etwas abgewinnen. Er sei gut vorbereitet gewesen und habe versucht, "entschlossen zu wirken". Dennoch habe er durch seinen Meinungsschwenk an Glaubwürdigkeit einbüßen müssen. Er habe versucht darzustellen, dass er dadurch ein Umdenken in Europa eingeleitet habe. Das sei übertrieben, analysiert Bachmayer.

"Vergebene Chance"

Außerdem habe der Kanzler versucht, die Schuld anderen europäischen Ländern zu geben. Er sei aber nicht auf die Versäumnisse der österreichischen Bundesregierung eingegangen.

Politikberater Thomas Hofer sieht eine vergebene Chance in Faymanns Auftritt. Er habe das einstündige Format nicht genützt, die gute Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner ÖVP hervorzuheben. Stattdessen habe er eine "zusätzliche Front aufgemacht". Denn Faymann habe bei seiner One-Man-Show den Richtungsschwenk seiner Partei einzig und allein für sich verbucht. "Jetzt ist die Einladung an die ÖVP da", sagt Hofer. Sie könne nun verdeutlichen, dass das seit geraumer Zeit ihre Parteilinie war.

Diese nimmt ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka an. Seine Kritik am Kanzlerauftritt hält er weiter aufrecht. "Ich bin aber sehr zufrieden damit, dass deutlich sichtbar wurde, dass Bundeskanzler Faymann in der Flüchtlingsfrage auf ÖVP-Kurs eingeschwenkt ist. Die Richtung des Kanzlers stimmt – jetzt muss er beim EU-Rat endlich Umsetzungen erreichen", sagt er im Gespräch mit dem STANDARD.

Lopatka lädt zu Gespräch über ORF

Lopatka geht noch einen Schritt weiter, er hat die Oppositionsparteien zu einem Gespräch über den ORF eingeladen, das am Donnerstag stattfinden soll. Diese teilen zwar die Kritik an Faymanns Solosendung, ihre Erwartungen an das Gespräch sind aber eher gering. FPÖ-Generalsekretär Kickl will wissen, was Lopatka vorbringen werde, das über "Jammerei" hinausgehe. Der grüne Mediensprecher Dieter Brosz will nicht auf das "Schauspiel einsteigen", kann aber einer "Entpolitisierung des Senders" einiges abgewinnen. Die Neos wollen an dem Gespräch gar nicht teilnehmen, anders das Team Stronach. Klubobmann Robert Lugar will Medienminister Josef Ostermayer dazu am Donnerstag in der Fragestunde befragen.

Auch von der SPÖ wird ein Vertreter teilnehmen – Mediensprecher Josef Cap. (APA, mte, 15.3.2016)

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