Hautpflege: Vom Drunter und Drüber

Kolumne15. März 2016, 13:05
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Hautpflege fühlt sich manchmal ein bisschen so an, als ob man ein Sandwich mit vielen Lagen schmieren würde – über die Verwirrung durch Produktvielfalt

Sagen wir mal, wir könnten aus dem Vollen schöpfen und sämtliche Produkte einer Hautpflegeserie käuflich erwerben. Wir stellen sie im Badezimmer auf, und manchmal könnte sich schon daraus ein Platzproblem ergeben: Tonic, Serum, Tagescreme, Nachtcreme, Augenpflege, Lippenbalsam und Waschseife allein sind schon raumfordernd, tatsächlich gibt es aber eine ganze Reihe weiterer Produkte für Hals, Dekolleté, den ganzen Restkörper und dann auch noch die Schminke.

Wer aus dem Vollen schöpfen kann, hat dann aber immer auch die Qual der Wahl – und die Frage, ob nun zuerst Serum oder doch zuerst die Creme, ist dabei das allergeringste Problem.

Die entscheidende Frage: Wollen wir tatsächlich kosmetische Schichtarbeit in die täglichen Routinen einbauen? Das Multi-Layer-System treibt überall seine Blüten. Bei der überaus sympathischen Kosmetikmarke Origins sollte man die diversen Hautmasken nur dann verwenden, wenn man seine Haut vorher mit einem Maskimizer vorbereitet hat.

Nass schmieren

"Das können Sie sich wie in der Küche vorstellen: Wie saugt der Schwamm besser Wasser auf: Nass oder trocken?", lautete die Preisfrage bei der Präsentation. Das bringt zwei Erkenntnisse. Erstens: Die Kosmetikwelt ist um einen Fachbegriff reicher. Und zweitens: Ab sofort nur mehr nass schmieren?

Mitnichten, denn Angebot und Nachfrage sollten im Zeitalter mündiger Konsumenten ohnehin keinen Vorgaben folgen. Dass ein Serum immer unter einer Creme aufgetragen werden muss, ist keineswegs ein Naturgesetz und funktioniert total gut umgekehrt. Einfach mal Mut haben, bringt den Beweis.

In einem Bereich bringt die Schichttechnik tatsächlich was: und zwar beim Schminken. Primer heißt diese Produktkategorie, die es fürs Gesicht, aber auch extra für Augen und Mund gibt. Und es wirkt: Make-up hält besser, Lidschatten verrinnen nicht, und weil es jetzt – ganz aktuell – auch neu viele Lippenprimer gibt, übersteht auch ein matter, knallroter Lippenstift den Verzehr eines belegten Brötchens. Nicht, dass ich jeden Tag mit dieser Situation konfrontiert wäre! Manchmal aber eben schon, und dann gibt das Wissen um eine stabile Basis Sicherheit. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Alkohol: Ohne Unterlage sollte man drauf verzichten.

Aug um Aug

Ehrlich überfordert bin ich vom Drunter und Drüber bei Mascara. Da soll also zuerst eine Art farblose Paste auf die Wimpern, dann wartet man, bis sie trocknet, und drüber kommt dann das Schwarz. Nicht nur, dass es die Augenlider so ein bisschen schwer macht, sondern auch das Abschminken wird zur Tortur. Denn all diese Schichten müssen abends natürlich wieder runter. Einstweilen sind die meisten Abschminkprogramme (sorry, die Ausnahme macht Sensai aus Japan) einstufig – noch. Das könnte sich im Schichtbetrieb bald ändern. (Karin Pollack, 15.3.2016)

  • Die Schichten müssen abends natürlich wieder runter.
    foto: istock/doram

    Die Schichten müssen abends natürlich wieder runter.

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