Midori: Klang der Erkenntnis

Gespräch14. März 2016, 15:39
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Geigerin Midori gastiert an zwei Abenden im Ehrbar-Saal. Ein Gespräch über Stress, Moderne und intime Musikräume

Wien – Neben etablierten Konzerträumen Wiens existieren auch jene diskreten, die nicht nur als Sprungbrett für junge Künstler dienen. Auch Stars schätzen etwa den Ehrbar-Saal, in dem Veranstalter Clemens Horvat mit großer Beharrlichkeit interessante Programme präsentiert. So wundert es nicht, dass Weltgeigerin Midori dort zwei Abende der Programmvielfalt zelebriert.

Midori: "Herr Horvat war darum bemüht, dass ich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden zwei Konzertprogramme spiele – das freut mich sehr! Beide bieten so viele Variationen an Klang, Farbe, Atmosphäre, Emotionen und Charakter. Ich bin schon immer gerne im Ehrbar-Saal aufgetreten. Das Gefühl zwischen Zuhörern und Künstlern ist sehr intim. Es ist ein wunderbarer Raum zum Musikhören."

Midori (Jahrgang 1971) debütierte 1982 mit dem New York Philharmonic Orchestra und ist eine der Virtuosinnen unserer Tage. Dass eine solch frühe, mit Druck verbundene Karriere auch schwierige Lebensphasen mit sich bringt, hat Midori in ihrem Buch Einfach Midori offenbart.

Konzentration halten

"Ich denke, jeder Beruf hat seine Herausforderungen und Belohnungen. Ich als Violinistin bin immerzu damit beschäftigt, über und durch die Musik zu lernen." Die Reisetermine eines Geigers seien aber "ziemlich anstrengend, und das ist definitiv eine Herausforderung. Ich gebe immer mein Bestes, meinen Fokus und meine Konzentration zu behalten. Geige zu spielen und Musik zu machen, das verlangt Körperlichkeit wie auch Emotionalität und Intellekt." Die zwei Konzerte bringen Begegnungen mit nicht weniger als acht Komponisten – unter anderem sind Liszt, Elgar, Strauss, Xenakis, Saariaho und Schnittke dabei.

Nie so gehört

"Das moderne Repertoire ist der Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft. Es begeistert mich, darüber nachzudenken, wohin musikalische Arbeit führt! Manchmal höre ich Klänge der modernen Musik, die so traditionell sind und manchmal wiederum so anders, wie wir es noch nie gehört haben. Diese Momente der Erkenntnis sind nicht an Zeiten und Epochen gebunden."

Kann man auch sinnvoll ohne Instrument üben? "Es gibt viele Übungen. Wir müssen uns viele Gedanken über Musik machen, weg von unserem Instrument. Manchmal ist es wichtig, nur an die Musik zu denken, sie zu fühlen. Das erlaubt, Konzepte und Ideen zu entwickeln." Es begleitet Midori Pianist Özgür Aydin. (Ljubisa Tosic, 14.3.2016)

15. und 16. 3., Ehrbar-Saal, 19.30

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Stadtinitiative Wien

  • Die japanische Geigerin interpretiert u. a. Liszt, Elgar Schnitke und Xenakis.
    foto: greenfield-sanders

    Die japanische Geigerin interpretiert u. a. Liszt, Elgar Schnitke und Xenakis.


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