Kanadas Polizei warnt vor neuer Droge

15. März 2016, 06:00
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Die Droge W-18 wirkt 10.000-mal stärker als Morphium. Chinesische Labore verkaufen das gefährliche Mittel über das Internet

W-18 ist weder ein Kampfflugzeug noch ein Geheimdienst. Hinter dem Namen verbirgt sich eine gefährliche Drogensubstanz, die Polizei und Gesundheitsbehör-den in Kanada und den USA in höchste Alarmbereitschaft versetzt. W-18 ist ein Schmerzmittel, das laut Experten zehntausendmal stärker als Morphium wirkt, in höchstem Maß süchtig macht und zu vielen Drogentoten führen könnte.

In Nordamerika kann W-18 leicht übers Internet erworben werden. In der westkanadischen Stadt Calgary reicherten Drogenhändler das Schmerzmittel Fentanyl mit W-18 an und brachten es auf den illegalen Rauschgiftmarkt. "Wir sind äußerst besorgt", sagt Martin Schiavetta, Ermittler der Polizei in Calgary. Seine Sorge ist begründet: Das von Drogensüch-tigen konsumierte, hundertmal schwächere Fentanyl, das einen ähnlichen Rausch wie W-18 erzeugt, hat allein in der Provinz Alberta im vergangenen Jahr zu mindestens 270 Todesfällen durch Überdosen geführt.

Schmerzmittel gesucht

Dass W-18 überhaupt existiert, ist erstaunlich: Die chemische Komponente wurde vor 33 Jahren von kanadischen Forschern an der Universität von Alberta entwickelt. Aber sie kam nie auf den Markt – bis die Formel kürzlich von chinesischen Laboratorien ausgegraben wurde. Sie machten ein Produkt daraus, das sie nun übers Internet verkaufen.

Ursprünglich waren die Wissenschafter Ende der 1980er-Jahre auf der Suche nach einem Schmerzmittel ohne suchterzeugende Nebenwirkungen. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Aber, wie Pharmazieprofessor Ed Knaus der Zeitung National Post erklärte, die W-18-Erfinder dachten, das machtvolle Schmerzmittel könnte wenigstens für tödlich erkrankte Krebspatienten eingesetzt werden. Allerdings interessierte sich damals kein Pharmakonzern dafür. Das Patent für W-18 lief aus, und die Dokumente landeten in der Schublade. Zwischenzeitlich setzte eine Entwicklung ein: In China spezialisieren sich Chemiker darauf, solche chemischen Formeln aufzuspüren und daraus synthetische Produkte herzustellen.

Nur an Mäusen getestet

Oft hinken die Arzneimittelbehörden in Nordamerika hintennach, wenn es um die Beurteilung dieser Produkte geht. So darf W-18 derzeit in Kanada und den USA immer noch unbeschränkt übers Internet erworben werden. Was W-18 höchst bedrohlich macht, ist die Tatsache, dass diese Substanz vor 33 Jahren nur an Mäusen getestet wurde. Die Folgen für Menschen sind völlig unerforscht.

Brian Escamilla ist ein Chemiker, der für eine US-Firma in Kalifornien arbeitet, die Ermittler im sicheren Umgang mit gefährlichen Drogen trainiert. Escamilla sagt, dass W-18 oft von Drogenhändlern in kleinen Dosen mit anderen Substanzen wie Heroin vermischt werde. Das mache es sehr schwierig, den Wirkstoff in den Körpern von Drogentoten festzustellen. Aber es sei klar, dass diese Substanz bei Süchtigen in Kanada und den USA immer beliebter werde. Escamilla erwartet viele Drogentote durch Überdosen, weil die Dosierung so schwierig sei. "W-18 ist eine extrem gefährliche Droge", sagt er.

Die kanadischen Behörden wollen nun den Zugang zu W-18 einschränken. Aber Drogenfahnder glauben, dass man vor allem bei den Laboren in China und beim Import übers Internet ansetzen müsse. "Wir brauchen die Unterstützung der chinesischen Regierung", sagt Ermittler Martin Schiavetta. (Bernadette Calonego aus Vancouver, 15.3.2016)

  • Die Folgen von Ecstasy sind den Behörden und Ermittlern weitgehend bekannt. Nun bereitet aber eine neue Designerdroge namens W-18 den Beamten in Kanada schweres Kopfzerbrechen.
    foto: reuters/u.s. dea/handout via reuters/files

    Die Folgen von Ecstasy sind den Behörden und Ermittlern weitgehend bekannt. Nun bereitet aber eine neue Designerdroge namens W-18 den Beamten in Kanada schweres Kopfzerbrechen.

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