Weniger Demenzdiagnosen

14. März 2016, 15:29
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Langzeitstudien zeigen weniger Demenzkranke als noch vor zehn Jahren – über die Ursachen spekulieren die Neurologen

Bei den Demenzerkrankungen gibt es aktuell völlig neue Erkenntnisse. "Es gibt erste Daten, dass die Inzidenz (Häufigkeit der Neuerkrankungen; Anm.) laut groß angelegten Studien abnimmt. Das könnte allerdings maximal zu einer Abflachung der steilen Kurve führen", sagte der Neurologe Reinhold Schmidt von der MedUni Graz.

In der weltweit berühmtesten epidemiologischen Langzeitstudie (Framingham Studie/Boston/USA) wurden vor kurzem deutliche Belege für eine solche Entwicklung gefunden. Schmidt sagte dazu: "Seit 1977 ist in der Studie auch ein kognitiver Teil dabei (Fragen nach der Hirnleistung der Teilnehmer; Anm.). Man hat die Daten bis 2008 analysiert." Wurde in der ersten von drei Untersuchungsepochen noch bei 3,8 von hundert Personen eine neue Demenzerkrankung diagnostiziert, waren es in den 2000er-Jahren nur noch zwei Diagnosen je hundert Teilnehmern.

Die Gründe dafür sind nicht ganz klar. Möglicherweise spielen bessere Ausbildung, ein gesünderer Lebensstil und/oder die zunehmende Verbreitung auch antientzündlich wirkender Medikamente eine Rolle.

Aussicht auf Impfung

Letzteres könnten niedrig dosiertes Aspirin in der Infarktprophylaxe oder die Statine zur Senkung zu hoher Blutfettwerte sein. Eine solche Entwicklung könnte jedenfalls enorm wichtig für die Gesellschaft der Zukunft werden. "Wenn es gelänge, das Auftreten einer Demenz um fünf Jahre zu verzögern, wären das innerhalb von 15 Jahren um 50 Prozent weniger Demenzerkrankungen", sagte der Grazer Neurologe.

Auch in Sachen Morbus Alzheimer wird an Impfungen mit klinischen Versuchen auch in Österreich gearbeitet. Eine solche Phase-I-Studie auf Verträglichkeit mit einer Vakzine gegen das sich bei der Alzheimer-Krankheit in den Nervenzellen des Gehirns ansammelnde Tau-Protein ist vor kurzem erfolgreich abgeschlossen worden. Zwar zeigten 29 von 30 Probanden eine immunologische Reaktion, doch einen Beweis für die Wirksamkeit stellt das noch nicht dar. Die Vakzine wurde gut vertragen.

Wechselwirkungen in der Forschung

Erstmals gibt es mit dem monoklonalen Antikörper Ocrelizumab, der sich gegen die B-Zellen im Blut richtet, eine Therapie für Patienten mit Multipler Sklerose, bei der die Krankheit von Beginn an nicht schubförmig verläuft, sondern ständig fortschreitet.

Das sagte Franz Fazekas, Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Graz. "Nach 24 Wochen war bei den Behandelten die Rate des Fortschreitens der Erkrankung um 25 Prozent geringer." Wahrscheinlich sei das besonders ein Ansatz für eine Behandlung in der Frühphase der Erkrankung. (APA, 14.3.2016)

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