Pensionisten orten Diskriminierung bei Kreditkarten

14. März 2016, 15:59
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Banken verweigern Älteren zunehmend Kreditkarten, klagt der Pensionistenverband, die Banken sehen das naturgemäß anders

Wien – Geht es nach Harald Glatz, ist Feuer am Dach. Beim Pensionistenverband – so sagt der Konsumentenschutzsprecher des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ) – würden sich Beschwerden von älteren Bankkunden häufen, denen trotz guter Bonität von ihrer Bank die Verlängerung ihrer Kreditkarte verweigert würde: "Immer wieder beschweren sich ältere Menschen, weil sie – obwohl sie viele Jahre und Jahrzehnte verlässliche und gute Kunden ihrer Bank waren – ab einem bestimmten Alter plötzlich als Kunden zweiter Klasse behandelt werden."

Keine Einzelfälle

So seien Bankkunden nach Ablauf ihrer Kreditkarte damit konfrontiert worden, dass die Karten nicht mehr erneuert wurden, sagt Glatz dem STANDARD. "Alleine in der vergangenen Woche hatte ich zwei Fälle, einen 85-Jährigen, dessen Kreditkarte nicht verlängert wurde und eine 87-Jährige Frau. Bei der heutigen Lebenserwartung haben 85-Jährige noch gut und gerne fünf Jahre zu leben." In diesem Fall sei die Bawag das betroffene Institut gewesen "das gab es aber auch schon bei anderen Banken". sagt Glatz. Von Einzelfällen will er also nicht sprechen.

Prepaid statt Kreditkarte

Das Problem laut Glatz: Banken würden von manch langjährigen Kunden, trotz ausgezeichneter Bonität, ab einem gewissen Alter den Abschluss einer Ablebensversicherung verlangen. "Das ist zutiefst diskriminierend und verletzend." Bei einem weiteren Fall wäre finanziell gut situierten Kunden statt ihrer bisherigen Kreditkarte eine aufladbare Prepaid-Karte beziehungsweise Shopping-Karte angeboten worden. So etwas würden üblicherweise nur Kinder und Jugendliche erhalten. Glatz vermutet dahinter Firmenpolitik der Banken, Kunden über 85 keine Kreditkarten zu verlängern. "Offiziell wird das dann aber mit Bonitätsfragen begründet". Dass Banken vor der Ausstellung einer Kreditkarte eine Bonitätsprüfung durchführen, dagegen hat Glatz nichts: "Das ist üblich und dient der wirtschaftlichen Absicherung."

Keine anderen Kriterien

Franz Ruhdorfer, Bankensprecher in der Wirtschaftskammer Österreich kann der These, dass es sich um eine Politik der Banken handelt, über 85-Jährige anders zu behandeln, nichts abgewinnen. "Ein flächendeckendes Problem kann ich nicht entdecken. Mag sein, dass es den einen oder anderen Einzelfall gibt. Aber ich weiß auch von meinem 79jährigen Vater, dass es vorkommen kann, dass ein älterer Mensch den Überblick verliert." An sich würden bei 30-jährigen Bankkunden keine anderen Kriterien zu Grunde gelegt, als bei 80-Jährigen. Ohnedies sei man im besten Einvernehmen mit dem Seniorenrat: "Wenn es ein Problem gibt, werden wir dafür wie für alle anderen Themen auch, eine Lösung finden."

Keine Diskriminierung

Bei der Bawag heißt es auf Anfrage, dass für verschiedene Produkte grundsätzlich Altersgrenzen insofern vorgesehen seien, als speziell eine Neuvergabe oder Verlängerung von Krediten, Überziehungsrahmen und Kreditkarten nicht mehr durch den Kundenbetreuer allein und direkt erfolgen könne. Es könne aber "sehr wohl auf individueller Basis eine Genehmigung durch unser zentrales Risikomanagement erfolgen." Was die Shopping-Karte betrifft, so könne man an diesem Angebot keine Diskriminierung erkennen. "Das ist eine gute Alternative zur normalen Kreditkarte, und wird ebenso wie diese akzeptiert." (rebu, 14.3.2016)

  • Besonders auf Reisen und bei Einkäufen im Internet, geht ohne Kreditkarte vielfach nichts. Das gilt unabhängig vom Alter.
    foto: ap/meissner

    Besonders auf Reisen und bei Einkäufen im Internet, geht ohne Kreditkarte vielfach nichts. Das gilt unabhängig vom Alter.

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