Betrugsprozess: Fingierte Unfälle und schlechte Vorbilder

14. März 2016, 15:36
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Ein 22-Jähriger soll in Versicherungs- und Darlehensbetrug involviert sein. Das gesteht er – und gibt Drogen und Spielsucht die Schuld

Wien – David N. hat sich mit Autounfällen seine Drogen- und Spielsucht finanziert, sagt der 22-Jährige zumindest dem Schöffensenat unter Vorsitz von Andreas Hautz. Die Kollisionen lagen nämlich nicht an seinem schlechten Fahrstil, sondern waren fingiert, um die Versicherungen zu betrügen.

Er war Teil einer großen Bande, der hunderte Delikte vorgeworfen werden. "Wie sind Sie auf die Idee gekommen?", will Hautz daher wissen. "Ich habe gehört, dass das viele Leute aus dem Dorf, aus dem meine Eltern kommen, machen", sagt der serbischstämmige Österreicher.

Kokain, Marihuana, Spielautomaten

2011 bis 2012 machte N. bei mehreren Unfällen mit. War er der Geschädigte, bekam er 2.000 bis 3.000 Euro, war er der Unfallverursacher, ein Zehntel davon. Ausgegeben habe er das Geld damals für Kokain und Marihuana, den Rest in Glücksspielautomaten gesteckt.

Der zweifach Vorbestrafte bekennt sich von Anfang an schuldig und antwortet auch mit entwaffnender Logik auf eine Frage des Vorsitzenden. In seiner letzten Unterkunft war N. nämlich nicht gemeldet. "Warum dort?", will Hautz wissen. "Weil ich dort gewohnt habe." – "Aber warum haben Sie sich dort nicht angemeldet?" – "Weil ich auf der Flucht war." – "Logisch", muss Hautz konzedieren.

Ungewöhnlicherweise gab es zwischen 2012 und 2015 keine Delikte mehr. "Ich habe mit den Drogen aufgehört und gearbeitet", erklärt der Angeklagte. Spätestens 2015 scheint das Geld blöderweise nicht mehr gereicht zu haben. Er belehnte nämlich gekaufte Autos, verkaufte sie wieder und zahlte die mit 7,5 Prozent verzinste Darlehenssumme nicht zurück.

Mäßig schlauer Darlehensbetrug

"Der Darlehensbetrug ist aber mäßig schlau, Sie sind ja mit Ihrem eigenen Namen aufgetreten", stellt der Vorsitzende fest. N. kann schwerlich widersprechen. Er habe das Geld aber für die Automaten gebraucht, behauptet er. Sobald er jedoch aus der Haft entlassen werde, "mach' ich sicher, sicher eine Therapie", beteuert der Angeklagte.

Er wird schließlich rechtskräftig wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs zu 20 Monaten Gefängnis, sechs davon unbedingt, verurteilt. (Michael Möseneder, 14.3.2016)

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