Werner Faymann "Im Zentrum": Revolution eines Formats

14. März 2016, 17:20
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Die Einladung an den Kanzler wurde als Versuch bezeichnet, das Format zu erneuern

Die Welt wird angespannt jenen Fragen gelauscht haben, die Werner Faymann Im Zentrum auch an sich selbst gestellt hat ("Was würden wir uns also von Griechenland wünschen?"). Es gab zwar drei Landtagswahlen in Deutschland. Deren Folgen für Kanzlerin Angela Merkel? – Ach was! Wahres Gewicht für Europa hat nicht Merkel, sondern das verbale Dauerbegräbnis der Willkommenskultur durch ihren Exverbündeten.

Hierzulande wird auch der Koalitionspartner des Kanzlers, womöglich mit einem gewissen Neidinteresse, das Solo beäugt haben. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner erlebte einen lauten, dann aber wieder sanft timbrierenden Konkurrenten, der als entscheidende Nachricht (nebst der Neudefinition von passender Krawattenüberlänge) den Vorschlag mitbrachte, die ÖVP nicht zu überschätzen. Der Auftritt war jedoch erhellend auch für Zeitgenossen, die Sympathien für TV-Diskussionsformate hegen. Es markierte das Solo nämlich den Tiefpunkt der demokratiefördernden Diskussionskultur im ORF.

Was einst mit dem Ende des Club 2 begann, setzte sich mit Im Zentrum fort, das als Format mittlerweile leider so viel Energie ausstrahlt wie ein leerer Dudelsack. Offenbar aber hat der Küniglberg selbst Reformbedarf geortet. Die Einladung an den Kanzler wurde als Versuch bezeichnet, das Format zu erneuern. Genial! Das eröffnet Innovationsmöglichkeiten.

Nach den Gästen sollte auch Ingrid Thurnher und das Studiopublikum das Format räumen, dem Kanzler eine sonntägliche Solostunde gönnen. Auch böte sich eine Zeitdehnung an. Als Vorbild könnte die mehrstündige "Putiniade" (PK des russischen Herrschers) dienen, wobei sie auf alle ORF-Sender durchzuschalten wäre. (Ljubiša Tošic, 14.3.2016)

  • Bundeskanzler Werner Faymann und Ingrid Thurnher bei "Im Zentrum" am Sonntag, 13.3.2016.
    orf/milenko badzic

    Bundeskanzler Werner Faymann und Ingrid Thurnher bei "Im Zentrum" am Sonntag, 13.3.2016.

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    orf/milenko badzic
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