Mobilfunktarife stiegen nach Orange-Übernahme um bis zu 90 Prozent

14. März 2016, 12:23
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Bundeswettbewerbsbehörde-Chef: "Vier auf drei Netzbetreiber war die letzte Fusion"

Sind die Mobilfunktarife nach der Übernahme von Orange durch 3 im Jahr 2012 in Österreich gestiegen? Das untersuchte die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) gemeinsam mit der Telekom-Regulierungsbehörde RTR über zweieinhalb Jahre hinweg. "Die Befürchtungen haben sich bewahrheitet", sagte BWB-Generaldirektor Theodor Thanner am Montag vor Journalisten. Einzelne Tarife sind nach der Übernahme um bis zu 90 Prozent gestiegen. Konkret wurde die Tarifgestaltung in den Jahren 2011 bis 2014 unter die Lupe genommen.

Als Konsequenz daraus spricht sich Thanner klar gegen weitere Übernahmen auf dem Mobilfunkmarkt aus: "Vier auf drei war die letzte Fusion, die es gegeben hat. Ein drei auf zwei kann es aus meiner Sicht nicht geben."

Derzeit scheint wieder Sonne

RTR-Chef Johannes Gungl ergänzte, dass die Preise zwar derzeit tendenziell nach unten zeigen, aber im Vergleich zu 2012 und 2013 in einigen Bereichen über denen von vor zwei Jahren lägen – etwa für Kunden, die ohne Datenangebote auskommen. Mit dem Einstieg neuer Player wie Hot "scheint in Österreich nach einer Schlechtwetterperiode wieder die Sonne", so Gungl.

Hot will weiter der Hecht im Karpfenteich sein. In zwei bis drei Wochen soll es die nächste Aktion für Neu- wie Bestandskunden geben, sagte Firmenchef Michael Krammer. Für Krammer hat sich der Mobilfunkmarkt in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Der klassische Anbieter mit Shop, Handystützung, 24-monatiger Vertragsbindung und dazu noch einer "alibimäßigen" Diskont-Tochter, die "eh nicht zu preisaggressiv" ist, habe sich überlebt. Mittels Presseaussendung meldete sich auch 3 zu Wort. Das Unternehmen betont, dass Mobilfunktarife in Österreich heute unter dem Niveau von 2011 – und damit unter jenen Tarifen vor dem Merger von 3 und Orange liegen sollen.

Keine Konsequenzen für die Netzbetreiber

Unmittelbare Konsequenzen aus dem Ergebnis der Untersuchung gibt es für die Netzbetreiber nicht. Man habe aber bereits die Nummernmitnahme verbilligt und die Mindestvertragsdauer auf einen Monat gesenkt – als Reaktion auf den Preisanstieg, sagte der RTR-Chef.

Bei der Pressekonferenz der RTR und der BWB.

Den langen Zeitraum für die Untersuchung führte Thanner auf Personalmangel zurück. Er erwähnte, dass die EU diesbezüglich bereits ein Mahnschreiben an die Regierung übermittelt habe. (Markus Sulzbacher, 14.3.2016)

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BWB

RTR

  • Dank neuer Mobilfunker sinken die Preise wieder. Nach der Übernahme von Orange erhöhten sich die inflationsbereinigten Preise für Bestandskunden um 14 bis 20 Prozent. Wobei Vertragskunden um 13 bis 17 Prozent, Wertkartennutzer um 20 bis 30 Prozent mehr zahlten.
    foto: foto: apa/afp/oli scarff

    Dank neuer Mobilfunker sinken die Preise wieder. Nach der Übernahme von Orange erhöhten sich die inflationsbereinigten Preise für Bestandskunden um 14 bis 20 Prozent. Wobei Vertragskunden um 13 bis 17 Prozent, Wertkartennutzer um 20 bis 30 Prozent mehr zahlten.

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