Sport: Schädel-Hirn-Trauma und die Folgen

14. März 2016, 10:56
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Eine Studie zeigt, wie sich das Gehirn nach Gehirnerschütterungen verändert – Eishockeyspieler wurden mit speziellem MRT untersucht

Mithilfe neuer bildgebender Methoden wurden erstmals Gehirne vor und nach einer Gehirnerschütterung verglichen. Ein vom österreichischen Physiker Alexander Rauscher an der University of British Columbia (Kanada) mitentwickelter spezieller Magnetresonanz-Scan zeigte dabei Veränderungen der Nerven-Isolierschicht bei Eishockeyspielern mit Gehirnerschütterung, berichtet er im Fachjournal Plos One.

Um die Auswirkungen von Gehirnerschütterungen zu untersuchen, fehlen meist Vergleichsdaten vom Zeitraum vor der Verletzung. "Man kann ja Menschen nicht einfach ein Hirntrauma verpassen, also haben wir uns nach einer Risikogruppe umgesehen", sagte Rauscher. Der Physiker, der sich speziell der Weiterentwicklung der Magnetresonanztomographie (MRT) widmet, ist seit 2010 Assistenzprofessor an der University of British Columbia in Vancouver (Kanada).

Vor und nach der Saison

Fündig wurden Rauscher und sein Team bei Eishockeyspielern. Sie machten MRT-Aufnahmen von 45 männlichen und weiblichen Sportlern aus zwei Universitätsteams vor der Hockeysaison. "Jene elf Spieler, die während der Saison eine Gehirnerschütterung erlitten, wurden drei Tage, zwei Wochen und zwei Monate nach der Verletzung noch einmal gescannt", so Rauscher, der dafür einen speziellen, von ihm mitentwickelten Myelin-spezifischen MR-Scan eingesetzt hat. Myelin ist das Isoliermaterial von Nervensträngen. Wird es geschädigt, was etwa bei Multipler Sklerose der Fall ist, führt dies zu neurologischen Beeinträchtigungen.

"In den Scans zeigte sich, dass das Myelin der Spieler selbst zwei Wochen nach der Verletzung geschädigt ist, auch wenn die Sportler die nach solchen Traumata üblichen neuropsychologischen Tests bestehen", sagte Rauscher. Die Isolierschicht löst sich von den Nervensträngen ab und braucht deutlich länger als zwei Wochen bis zur völligen Wiederherstellung.

Zu kurze Regeneration

Nach Angaben Rauschers beurteilen Ärzte die Einsatzfähigkeit der Spieler üblicherweise aufgrund ihres Verhaltens und ihrer Angaben über Symptome. Es hätten sich aber keinerlei Übereinstimmung zwischen den herkömmlichen Testergebnissen und den auf den Scans sichtbaren Schäden gezeigt, "solche Tests erkennen die Gehirnschäden nicht". Selbst wenn keinerlei Symptome mehr erkennbar seien, empfehle es sich, riskantes Verhalten noch einige Zeit zu vermeiden, da eine weitere Gehirnerschütterung vor der vollständigen Heilung sehr gefährlich sein kann.

In einer zweiten, im Fachjournal Frontiers in Neurology veröffentlichten Arbeit berichten die Wissenschafter zudem über eine weitere Untersuchung der 45 Eishockeyspieler mit konventionellen MR-Scans. Dabei zeigte sich, dass das Hirnvolumen der Sportler über die Saison im Schnitt um rund drei Kubikzentimeter (rund 0,25 Prozent der durchschnittlichen Gehirngröße) abnahm – und zwar unabhängig davon, ob die Spieler eine Gehirnerschütterung erlitten haben oder nicht.

Auch bei Langstreckenläufern

Laut Rauscher wurden solche Abnahmen des Gehirnvolumens auch bei Langstreckenläufern beobachtet. Eine mögliche Erklärung wären bei den Hockeyspielern die zahlreichen leichten Schläge auf den Schädel bei den Matches. Auch unterschiedliche Flüssigkeitsaufnahme könnte eine Rolle spielen. Der Rückgang werde mit der Zeit kompensiert, allerdings sei nicht klar, ob dafür die Sommerpause zwischen den Saisonen ausreicht, so Rauscher. (APA, 14.3.2016)

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    foto: apa
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