Die Schönheit flüssigen Feuers

13. März 2016, 19:48
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Sinnliche, audiovisuelle Musik- und Tanzevents im Museumsquartier

Wien – Zwei Männer, Lautsprecherboxen, drängender Sound, intensives Licht und anschwellende Erotik. Das waren die Zutaten für Jefta van Dinthers und Thiago Granatos Tanz-Visual This Is Concrete bei Synæsthesia3 in der zum Club umgebauten Halle E des Museumsquartiers. Diese "Kubik-Synästhesie" als Resultat eines kuratorischen Zusammenflusses des TQW mit sound:frame-Festival geriet zur Orgie aus Musik, Choreografie und audiovisueller Kunst.

Van Dinther und Granato präsentierten sich zwar eindrucksvoll als leidenschaftliche Boxenstreichler und Küsserkönige, aber sie waren nicht ganz die Stars dieses Events. Diesen Rang hatten ex aequo die Japaner Ryoji Ikeda mit Test Pattern und Hiroaki Umeda in Holistic Strata – gefolgt von Planningtorock aus Berlin und Liquid Loft (Chris Haring, Andreas Berger u. a.) aus Wien.

Der Sound- und Visual-Artist Ikeda gilt als Großmeister der elektronischen Tanzmusik, der in den 1990ern auch mit der Gruppe Dumb Type gearbeitet hat. Bei Synæsthesia3 zog er nun seinen Konzertbeitrag an einem Faden aus elektronischen Noise-Klängen und einer visuellen Choreografie aus schwarz-weißen Streifen, Balken und Flächen auf der Projektionsleinwand hoch, vor der er ungerührt hinter seinem Tisch am Laptop waltete wie ein Monument der Coolness. Ein Perfektionist – schöne Mütze und dunkle Brillen inklusive.

Ikedas digitalisierte Op-Art verband sich bestens mit den White-Noise-Stürmen, in die Umeda seinen Tänzerkörper schickte. Dieser hielt den Wirbeln des Bildschirmschnees nur mit Mühe stand und ließ sich auch von den Pixelböen tragen – blieb als geordnete Silhouette aber doch eine Irritation des perfekten Chaos.

Opulente Visuals

Diesen formal orientierten Bild-Sound-Kompositionen setzte die Musikerin Planningtorock, die als Jam Rostron auch mit dem österreichischen Choreografen Ian Kaler arbeitet, eine politisch engagierte Ästhetik entgegen. Vor ihren farbintensiven, opulenten Visual-Projektionen, die sie mit manipuliertem Gesicht zeigten und die bedrohliche Schönheit flüssigen Feuers feiern, sang die Künstlerin für eine Neutralisierung des Geschlechterbegriffs und die Gleichberechtigung verschiedener Formen der Liebe.

Die audiovisuell (AV) arbeitenden Künstlerinnen und Künstler präsentierten sich selbst getrennt vor ihren Video-Hintergründen, während choreografische Kunstschaffende wie Umeda und Liquid Loft projizierte Elemente und Live-Körper miteinander verschmelzen konnten. Damit fügten sie der AV-Kunst definitiv eine neue Dimension hinzu. (Helmut Ploebst, 13.3.2016)

  • Intensive Kommunikation: Jefta van Dinther und Thiago Granato.
    foto: mangolin

    Intensive Kommunikation: Jefta van Dinther und Thiago Granato.


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