Streit um Flüchtlingsfotos: Was ein Bild sagt

Kommentar13. März 2016, 18:38
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Politik wird mit der Macht der Bilder bestritten

Politik ist zynisch. Und Politik wird auch mit der Macht der Bilder bestritten. Was uns an Fotos aus dem griechischen Grenzort Idomeni, an dem bis zu 12.000 Flüchtlinge gestrandet sind, erreicht, macht viele Menschen betroffen. Manche machen Politik damit, so oder so.

Das Foto eines Neugeborenen im verschlammten Zeltlager hat auch in Österreich Menschen gerührt. Der grüne Europaabgeordnete Michel Reimon verwendet dieses Bild, um Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) vorzuwerfen, ein menschenverachtender Zyniker zu sein. Kurz hatte ein Dichtmachen der Grenzen propagiert und gesagt: "Es wird nicht ohne hässliche Bilder gehen." Die Kritik muss sich Kurz gefallen lassen. Reimon schießt allerdings über das Ziel hinaus, wenn er Kurz dafür verantwortlich macht, bewusst humanitäre Missstände herbeigeführt zu haben.

An Zynismus kaum zu überbieten ist die Aussage von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, der den Flüchtlingen vorwirft, bewusst im Schlamm von Idomeni auszuharren, "um Druck zu erzeugen". Keiner der Flüchtlinge verharrt gerne dort im Dreck; diese Menschen tun es nicht uns zu Fleiß, sondern weil sie auf der Flucht vor Krieg und Elend sind. Diese Menschen machen die Bilder nicht, sie sind das elende Motiv einer Tragödie.

Es ist unredlich, mit diesen Bildern das politische Geschäft zu betreiben. Und dennoch sollte man diese Bilder sehr sorgsam betrachten. Sie haben etwas zu sagen. (Michael Völker, 13.3.2016)

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