Mindestens 37 Tote bei Anschlag in Ankara

14. März 2016, 13:17
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Auto explodierte an Bushaltestelle, Regierung unter Druck

Nach einem weiteren schweren Terroranschlag im Zentrum der türkischen Hauptstadt Ankara steht die Regierung von Ahmet Davutoğlu unter Zugzwang. 37 Menschen wurden am Sonntagabend laut dem Gesundheitsminister bei der Explosion einer Autobombe in dem Innenstadtbezirk Kızılay getötet, 125 zum Teil schwer verletzt. In sozialen Medien war von einer weit höheren Opferzahl die Rede. Allerdings können die Behauptungen derzeit nicht überprüft werden. Die Regierung hat einmal mehr ein Berichtsverbot für die Medien in der Türkei verhängt.

Der dritte Terroranschlag in Ankara und der fünfte seit Beginn der Serie im vergangenen Sommer lässt die konservativ-islamische Führung ohnmächtig erscheinen. Vier Anschläge gingen auf das Konto des "Islamischen Staats", zu dem Anschlag auf Soldaten im Regierungsviertel vor drei Wochen bekannte sich eine Splittergruppe der kurdischen Untergrundarmee PKK.

Belebter Verkehrsknoten

Davutoğlu kündigte daraufhin umfassende neue Sicherheitsvorkehrungen für die Hauptstadt an. Innenminister Efkan Âlâ versuchte damals dem Eindruck entgegenzutreten, die Sicherheitskräfte seien mit der neuen Bedrohungslage überfordert. Tatsächlich hätten Polizei und Geheimdienst seit Jahresbeginn bereits 18 Terroranschläge verhindert, gab Âlâ an.

Der jüngste Anschlag ereignete sich vor dem Güven-Park im Stadtteil Kızılay, nicht weit vom vorhergehenden Tatort entfernt. Eine Haltestelle von zehn Buslinien liegt dort. Ein Videoausschnitt einer Sicherheitskamera zeigt Wartende an der Bushaltestelle und dann grelles gelbes Licht und einen Funkenregen. Auf Bildern, die vor der Berichtssperre aufgenommen wurden, sind ausgebrannte Autos zu sehen.

PKK hinter Anschlag vermutet

Zu dem Anschlag bekannte sich vorerst niemand. In Sicherheitskreisen hieß es, ersten Erkenntnissen zufolge stecke die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK oder eine mit ihr verbundene Gruppierung hinter dem Anschlag. Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete zudem, dass vermutet werde, dass sich eine Selbstmordattentäterin der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in die Luft gesprengt habe.

Nach dem Anschlag flog die türkische Luftwaffe in der Nacht zu Montag der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak. In der kurdisch geprägten Südosttürkei verhängte die Regierung zur Vorbereitung von Einsätzen gegen die PKK eine Ausgangssperre über die Stadt Sirnak, die um 23.00 Uhr (22.00 Uhr MEZ) in Kraft treten sollte. Seit der Nacht zu Montag gelten außerdem neue Ausgangssperren in den Städten Nusaybin und Yüksekova.

Für den Anschlag auf die Soldaten im Vormonat hatten Präsident Recep Tayyip Erdoğan und Premier Davutoğlu rasch der syrischen Kurdenmiliz PYD die Schuld zugewiesen. Diese Behauptung mussten sie später zurücknehmen. (Markus Bernath, 14.3.2016)

  • Bei der Explosion in Ankaras Innenstadtbezirk Kızılay wurde Sonntagabend ein Bus zerstört. Mehr als 30 Menschen wurden dabei getötet.
    foto: apa/afp/ucem

    Bei der Explosion in Ankaras Innenstadtbezirk Kızılay wurde Sonntagabend ein Bus zerstört. Mehr als 30 Menschen wurden dabei getötet.

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