Zwei blaue und noch immer kein grüner Ortschef in Tirol

13. März 2016, 17:46
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Die neuen Bürgermeister stehen nach den Stichwahlen endgültig fest. Für die FPÖ fuhr Ex-Landesobmann Gerald Hauser eine herbe Niederlage ein, gewonnen haben dafür alle roten Kandidaten

Innsbruck – Es ist höchstens ein Achtungserfolg, den man den Freiheitlichen nach dem Sonntag zugestehen kann. Bei den Tiroler Gemeinderatswahlen vor zwei Wochen hatten sie zwar in manchen Ortschaften teils ordentlich zulegen können, wie nach den Stichwahlen nun feststeht: Bürgermeister stellen die Blauen künftig dennoch bloß in zwei der 279 Tiroler Gemeinden – noch dazu in recht kleinen. Der ehemalige FPÖ-Landeschef und Nationalratsabgeordnete Gerald Hauser, auf den vor der Wahl noch alle Hoffnungen gesetzt wurden, musste allerdings eine herbe Niederlage einstecken.

St. Jakob umgefärbt

Hauser, der in St. Jakob in Defereggen als amtierender Bürgermeister antrat und sich bis vor zwei Wochen als einziger blauer Ortschef Tirols bezeichnen konnte, bekam in der Stichwahl am Sonntag lediglich 38 Prozent der Stimmen. Sein Kontrahent Ingo Hafele von der Liste Für St. Jakob ging aus der Abstimmung mit deutlichem Vorsprung als Sieger hervor.

Insgesamt wurde am Sonntag in zwanzig Tiroler Gemeinden gewählt – überall dort, wo nach den Gemeinderatswahlen am 28. Februar kein Bürgermeisterkandidat die nötige absolute Mehrheit errungen hatte.

Blauer Chef für Rattenberg

Im 414-Seelen-Ort Rattenberg konnte sich nun der freiheitliche Kandidat Bernhard Freiberger in der Stichwahl gegen den bisher amtierenden Bürgermeister Martin Götz (ÖVP) durchsetzen – mit 54,47 Prozent der Stimmen. Einen Ortschefsessel hatten die Blauen bereits vor zwei Wochen erobert: In der 1551-Einwohner-Gemeinde Jochberg bei Kitzbühel gewann der FPÖ-Kandidat Günter Resch gleich im ersten Durchgang gegen seine drei Mitstreiter.

In Hall, Tirols viertgrößter Stadt, hatte es der blaue Kandidat Karl-Ludwig Faserl zwar in die Stichwahl geschafft, er kündigte jedoch bereits kurz nach der Gemeinderatswahl an, sich dieser nicht stellen zu wollen. Auf ihn waren nur 17,85 Prozent der Stimmen abgefallen, die bisher amtierende Bürgermeisterin Eva-Maria Posch (ÖVP) erzielte hingegen trotz vier Gegenkandidaten auf Anhieb fast 43 Prozent. Das hielt Faserl für aussichtslos.

Auch das grüne Wunder blieb aus. Die Partei hatte sich nämlich eine Premiere erhofft – wenngleich auch wohl nicht wirklich erwartet: Denn in Axams schaffte es erstmals eine grüne Kandidatin in die Stichwahl. Schlussendlich unterlag Gabi Kapferer-Pittracher allerdings mit 39,54 Prozent der Stimmen ihrem Kontrahenten, dem bisherigen Bürgermeister Christian Abenthung (ÖVP), recht deutlich. Es wird also auch weiterhin keinen grünen Ortschef geben in Tirol.

Nur rote Sieger

Freuen konnten sich nach teils bitteren Verlusten vor zwei Wochen nun immerhin die Sozialdemokraten: Alle roten Kandidaten, die sich einer Bürgermeister-Stichwahl stellten, haben diese auch gewonnen. In Hainzenberg im Zillertal blieb Amtsinhaber Georg Wartelsteiner knapp vorn. In der Gemeinde Stumm gewann der rote Herausforderer Fritz Brandner gegen den Langzeitbürgermeister. In Telfes im Stubaital obsiegte der alte und somit auch neue Ortschef Georg Viertler. In Zirl lag Thomas Öfner vorn, was die Roten gleich jubeln ließ. Der verschweigt im Namen seiner Liste allerdings die sozialdemokratische Zugehörigkeit. (Katharina Mittelstaedt, 13.3.2016)

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