Prospekt Light: Wertpapiere mit dem besonderen Kick

14. März 2016, 08:00
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Die Vereinfachung der Prospektpflicht für Start-ups erleichtert auch Mittelbetrieben den Zugang zum Kapitalmarkt

Wien – Möchte ein Unternehmen in Österreich Wertpapiere oder Veranlagungen öffentlich anbieten, muss es zuvor einen Kapitalmarktprospekt erstellen und (im Fall von Wertpapieren) bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) billigen lassen. Der Prospekt stellt das Unternehmen vor, beschreibt das Investment und klärt über die damit verbundenen Risiken auf.

Im Vorjahr wurde mit dem Alternativfinanzierungsgesetz eine Vereinfachung beschlossen, die medial vor allem mit Crowdfundingprojekten in Verbindung gebracht wird. Aber unter dem Schlagwort "Prospekt Light" wurde der Kapitalmarkt auch für bestehende kleinere und mittelständische Unternehmen geöffnet.

Mittlerweile ist der vereinfachte Prospekt auch im Markt angekommen. Den Einstieg machte der Sportklub Rapid, der im Dezember 2015 den Prospekt Light für das Angebot von Nachrangdarlehen nutzte. Mittlerweile wurde auch von der FMA der erste vereinfachte Prospekt gebilligt.

Wesentliche Entwicklung

Der Prospekt Light ist eine für die Österreichische Wirtschaft wesentliche Entwicklung. Für KMUs ist es nun mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln möglich, eine Finanzierungsform zu nutzen, die flexibel an eigene Geschäftsmodelle angepasst werden kann.

Die Veranlagung des SK Rapid hat das sehr schön demonstriert. So ist etwa die Verzinsung höher, wenn der Verein an Europa- League oder Champions-League-Spielen teilnimmt. Eine Teilnahme bedeutet mittelbar bessere Einnahmen für den Verein, damit kann der Sportklub die höheren Zinsen bezahlen. Für den Verein hat es den Vorteil, sein finanzielles Risiko einer Nichtqualifizierung mit der Anleihe zu hedgen.

Bereits hier hat sich gezeigt, dass Bedarf besteht und wie flexibel der Prospekt Light eingesetzt werden kann. Das Unternehmen kann die Verzinsung von objektiven Faktoren abhängig machen, die seine Branche direkt betreffen. Für Anleger kann dies ebenfalls attraktiv sein, wenn eine variable Verzinsung zu einer fixen (Basis-)Verzinsung hinzutritt.

Objektive Messgröße gesucht

Was könnte als variable Komponente herangezogen werden? Wesentliche Voraussetzung ist, dass es sich bei dem Referenzwert um eine objektive Messgröße handeln muss, also dieser zweifelsfrei festgestellt werden kann.

Die Verzinsung kann etwa von einem Wechselkurs abhängen. Damit könnte ein Import- oder Exportunternehmen sein Fremdwährungsrisiko zum Teil absichern und gleichzeitig Anlegern als Rendite-Chance weitergeben. Steigt beispielsweise der Euro zum Dollar, könnten Anleger eine höhere Verzinsung erhalten.

Die verarbeitende Industrie kann durch eine teilweise Absicherung ihrer Rohstoffkosten profitieren. Sinken etwa die Kosten für Holz, kann der Holzpelletproduzent höhere Zinsen aus seinem Überschuss an Anleger bezahlen. Bei steigenden Preisen bleibt es bei der niedrigen Basisverzinsung, die dem Unternehmer nützt.

Eine Kopplung der Verzinsung an die Inflation wäre für viele Anleger attraktiv, stellt für Unternehmen aber in der Regel eine Herausforderung dar. Wer aber beispielsweise eine ausgemietete Immobilie finanziert, könnte den Zinssatz abhängig vom Ausmietungsgrad gestalten und bei indexierten Mietverträgen die Verzinsung an die Inflation koppeln. Für das Unternehmen bedeutet dies eine fix kalkulierbare Kostenspanne, für Anleger die Chance auf eine bessere Rendite.

Wie das Beispiel Rapid beweist, ist auch an exotischere Beispiele zu denken. In der Tourismusbranche könnte etwa eine "Sonnenscheinanleihe" begeben werden. Mehr Sonnentage können bei besserer Auslastung der Hotellerie eine bessere Verzinsung rechtfertigen.

Erfolgsabhängige Verzinsung

Neben etablierten KMUs könnte auch die in Österreich rege Start-up-Community von dieser Form der Finanzierung profitieren. Zu denken wäre etwa an eine variable Verzinsung je nach Unternehmenserfolg oder eine meilensteinabhängige Rückzahlung.

Eine kreative Gestaltung kann also sowohl für Unternehmen als auch für Anleger interessante Formen der Finanzierung und Anlagen schaffen. Dem Vernehmen nach werden dieses Jahr weitere Wertpapieremissionen mittels Prospekt Light folgen. Ob diese ebenso kreativ ausgestaltet werden, bleibt abzuwarten. Das Ziel der Vereinfachung und damit Öffnung des Kapitalmarkts für KMU wurde jedenfalls erreicht. Für den Finanzmarkt Österreich bringt das spannende Zeiten. (Oliver Völkel, 14.3.2016)

Dr. Oliver Völkel, LL.M., ist Partner der Kanzlei Stadler Völkel Rechtsanwälte, die den ersten Prospekt Light in Österreich gebilligt bekommen hat. oliver.voelkel@svlaw.at

  • Mithilfe des neuen "Prospekt Light" hat der SK Rapid ein Nachrangdarlehen emittiert, dessen Verzinsung steigt, wenn der Verein in Zukunft doch in der Champions League oder Europa League spielt.
    foto: reuters / heinz-peter bader

    Mithilfe des neuen "Prospekt Light" hat der SK Rapid ein Nachrangdarlehen emittiert, dessen Verzinsung steigt, wenn der Verein in Zukunft doch in der Champions League oder Europa League spielt.

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