Zutrittssysteme: Türen öffnen via Smartphone

14. März 2016, 08:00
66 Postings

Bürogebäude werden elektronisch abgesichert – 3-D-Drucker sind Gefahr für Schlüssel

Wien – Bei Schlüsseln und den dazugehörigen Zylindern denkt man zuallererst an Mechanik. Doch seit etwa zehn Jahren ist dabei ein Trend zu elektronischen Schlosssystemen zu beobachten. "Die Mechanik hat den Nachteil, dass Berechtigungsvergabe und Protokollierung von Zutritten umständlich oder gar nicht möglich ist", sagt Johann Notbauer, Konzernbereichsleiter Technik bei der Wiener Firma EVVA. "Auch ist man nicht so flexibel, wenn etwas passiert."

Das in Meidling beheimatete Unternehmen – EVVA steht für Erfindungs-Versuchs-Verwertungs-Anstalt – besteht seit fast hundert Jahren. Immer beschäftigte sich das Familienunternehmen mit Schließsystemen und Verriegelungen. Doch zuletzt kam eine Gefahr für diese mechanischen, im Wesentlichen auf Schlüsseln basierenden Systeme auf: der 3-D-Drucker. "Zackenschlüssel sind einfach zu fotografieren und dann mithilfe von 3-D-Druckern nachzumachen", erläutert Johann Notbauer. Der Zug zur Elektronik war also vorgezeichnet, ein Chip wird nicht so leicht nachgemacht.

Insbesondere bei großen Unternehmen, bei Bürohäusern, aber auch bei Privatwohnungen gibt es immer mehr elektronische Zutrittssysteme. Die einfachste Lösung ist mit einem Chip. In Zeiten von Smartphones aber wird immer mehr das Handy zum Schlüssel und damit auch gleich zum Firmenausweis.

Vereinfachte Verwaltung von Zutritten

Die Verwaltung von Zutritten wird vereinfacht, erläutert Notbauer. Nicht nur, dass man einem Mitarbeiter, der gekündigt hat, die Zugangsberechtigung elegant entziehen kann. Auch Aufzeichnung und Verwaltung von Zutrittsdaten wird vereinfacht.

Diese Art von Schlüssel – EVVA nennt sie "AirKey" wird auch im Wohnbereich eingesetzt, sagt Notbauer – und zwar deshalb, weil sie praktisch in der Handhabung sind. Denn bei Verlust eines (mechanischen) Schlüssels muss dies umständlich bei der Hausverwaltung gemeldet und ein neuer Schlüssel beantragt werden.

Nicht so in der digitalen Welt: Da meldet man einfach den Verlust, und schon tritt eine Sperre in Kraft für den verlorengegangenen Handyschlüssel; die Erstellung eines neuen digitalen Schlüssels ist relativ einfach. Im Privatbereich ist es allerdings unbedingt notwendig, an anderer Stelle einen "Ersatzschlüssel" in Form von Chip, Schlüsselanhänger oder einer Karte aufzubewahren, weil es sonst bei einem Verlust schwierig wird, in die Wohnung zu gelangen – wie bei einem Schlüsselverlust ja auch.

Die "Schlüsselhandys" müssen NFC-kompatibel sein (NFC steht für Near Field Communication), erläutert man bei EVVA. Die meisten (Android-)Smartphones haben einen solchen NFC-Chip, iPhones auch, allerdings fehlt da noch die Zustimmung von Apple zur sogenannten "Fremdnutzung". (ruz, 14.3.2016)

Share if you care.