Germanwings-Absturz: Behörde fordert strengere Kontrollen der Piloten

13. März 2016, 16:51
159 Postings

Bei dem Kopiloten wurde eine mögliche Psychose diagnostiziert und eine Einweisung empfohlen

Hätte der Absturz des Germanwings-Airbus am 24. März 2015 verhindert werden können? Diese Frage stellt sich nach der Veröffentlichung des Schlussberichts der französischen Flugermittlung BEA. Mehrere Ärzte wussten demnach von der schweren psychischen Krankheit des Kopiloten Andreas L., der die Maschine mit 150 Menschen an Bord an einer Bergflanke der französischen Alpen zerschellen ließ. "Aber diese Information ist nie bis zu den Luftfahrbehörden oder zum Arbeitgeber durchgedrungen", erklärte der Chefermittler des Absturzes, Arnaud Desjardins.

Noch zwei Wochen vor dem Unglück stellte ein Arzt bei L. eine Psychose fest und empfahl seine Einweisung, hält der BEA-Report fest. Der Kopilot sprach in Mails über Schlafstörungen, Stress und seine Angst vor einer Minderung der für Piloten unverzichtbaren Sehkraft. Die Ärzte kamen aber zu dem Schluss, dass es dafür "keinen organischen Grund" gebe – dass die Probleme also psychosomatisch waren.

Klare Regeln gefordert

Als Konsequenz verlangt das BEA, Mediziner sollten bei Pilotenproblemen Alarm schlagen können. "Es braucht klarere Regeln, um zu wissen, wann es nötig wird, das Arztgeheimnis zu brechen", schreibt das französische Büro, das bei der Ermittlung von deutschen, englischen und spanischen Experten unterstützt wurde. Nötig sei eine "regelmäßige Analyse der Flugunfähigkeit, insbesondere bei psychischen oder psychiatrischen Problemen". Zudem seien "Begleitmaßnahmen" zu ergreifen, um die Vorbehalte von Piloten gegen solche Tests auszuräumen. Und schließlich sei eben zu prüfen, wie weit das – von Land zu Land unterschiedlich geregelte – Arztgeheimnis einzuschränken sei, damit sich selbstmordgefährdete Piloten eruieren ließen.

Das BEA leitet seine Empfehlungen nun an die Europäische Flugsicherheitsbehörde (Easa) weiter. Diese verlangte nach dem Germanwings-Absturz nur psychologische Tests für angehende Piloten, aber keine späteren Routinekontrollen.

Angehörige zuvor informiert

Anders als die Easa sehen die Franzosen keine Lösung darin, dass stets zwei Besatzungsmitglieder im Cockpit anwesend sind. Wie der französische Flugexperte Gérard Feldzer erklärte, hätte das andere Selbstmörder nicht abgehalten; so habe 1982 ein begleiteter Pilot der Japan Airlines eine Maschine auf den letzten Flugmetern abrupt ins Wasser stürzen lassen, 24 von 174 Insassen starben.

Die Angehörigen der Opfer waren schon am Vortag über den Inhalt des Berichts informiert worden. Sie erhielten bestätigt, dass der Kopilot vorsätzlich gehandelt hatte. Ein geringfügiger Trost ist, dass der Sinkflug per Autopilot so eingestellt war, dass den Passagieren allein deswegen nichts auffallen mochte. Die Panik an Bord könnte sich deshalb, wenn überhaupt, auf eine sehr kurze Zeit oder den Raum hinter dem Cockpit beschränkt haben. (Stefan Brändle aus Paris, 13.3.2016)

  • Wrackteil des abgestürzten Flugzeugs.
    foto: epa/sebastien nogier

    Wrackteil des abgestürzten Flugzeugs.

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.