Nach Apple nimmt US-Justiz WhatsApp-Verschlüsselung ins Visier

13. März 2016, 11:06
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Gerichtsverfahren gegen den zu Facebook gehörenden Messenger droht

Der Streit zwischen dem FBI und Apple rund um die Entsperrung eines iPhones hält seit Wochen Politik und Tech-Branche in Atem. Während der Kampf um die öffentliche Meinung und vor Gericht noch anhält, nehmen US-Behörden mit WhatsApp den nächsten großen IT-Konzern ins Visier. Der Service verschlüsselt seit November 2014 Nachrichten mit einer sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die vor dem Zugriff zumindest durch reguläre Sicherheitsbehörden schützt (die Fähigkeiten der NSA sind ein anderes Kapitel).

Der "perfekte Fall"

Während es beim Streit mit Apple quasi darum ginge, ob die Polizei Hausdurchsuchungen durchführen darf, könne man die WhatsApp-Causa mit dem Abhören von Telefonaten vergleichen, schreibt die New York Times. Nun soll die US-Justiz an einem Fall arbeiten, in dem WhatsApp-Chats eine zentrale Rolle spielen. Dieser könnte nun vor Gericht ausgefochten werden. Datenschützer werfen den US-Behörden schon in der Apple-Causa vor, nur auf den "perfekten Fall" gewartet zu haben. Wie berichtet geht es beim Streit um ein versperrtes iPhone um das Gerät eines Terroristen, was öffentlichkeitswirksam ist.

Auch Apple stand schon wegen der Verschlüsselung von Nachrichten im Kreuzfeuer der Justiz. Vergangenes Jahr konnte etwa in einem Fall von Drogen- und Waffenhandel nicht auf Chats im Apple-Dienst iMessenger zugegriffen werden. Damals wandte Apple durch Kooperation in anderen Bereichen aber ein Verfahren ab.

Grabenkämpfe in US-Regierung

Im Streit um Verschlüsselung verläuft der Graben aber nicht nur zwischen US-Justiz und Silicon Valley, sondern auch innerhalb der US-Regierung. So betonte Verteidigungsminister Ashton Carter unlängst, Verschlüsselung sei "essenziell". Auch Ex-NSA-Chef Michael Hayden unterstützte Verschlüsselungsmaßnahmen öffentlich. Kein Wunder, sind Pentagon und NSA auch damit beauftragt, für Datensicherheit zu sorgen. Gleichzeitig verfügt der Überwachungsgeheimdienst über Kapazitäten, um auch hartnäckige Verschlüsselungsmaßnahmen aufzuknacken.

US-Präsident Barack Obama hat sich am Freitag erstmals zu der Causa geäußert. Er sprach im Allgemeinen davon, dass IT-Firmen eine Balance finden müssten. Entscheidungsträger in der Tech-Branche, die "kompromisslos" vorgingen, würden falsch liegen, sagte Obama. (fsc, 13.3.2016)

  • WhatsApp droht ein Gerichtsprozess gegen Verschlüsselung
    foto: apa/afp/chiba

    WhatsApp droht ein Gerichtsprozess gegen Verschlüsselung

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