Lawinenabgang: Überlebende Tirolerin im Spital

13. März 2016, 10:39
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"Ein Teil des Bergs ist auf uns gestürzt" – Tourengeher hatten Lawinensuchgeräte und zum Teil "Airbags" bei sich

Bozen/Innsbruck – Eine 42-jährige Innsbruckerin ist die einzige Überlebende einer Gruppe aus sieben Personen, die am Samstag im Südtiroler Ahrntal von einer Lawine verschüttet wurde. Die Frau kam mit einer leichten Knieblessur davon, stand jedoch am Sonntag noch unter schwerem Schock. Das Unglück forderte sechs Menschenleben, zu den Todesopfern zählt Horst Wallner (48), Direktor der Wirtschaftskammer Tirol.

"Die Bergspitze stand vor uns, sie war nur wenige Meter von uns entfernt. Plötzlich habe ich einen riesigen Lärm gehört. Ein Teil des Bergs ist auf uns gestürzt. Die Erde ist mir unter den Füßen weggeglitten", berichtete die Innsbruckerin laut der italienischen Tageszeitung "La Repubblica". Sie war mit Wallner auf dem Weg zur Spitze des Schneebiger Nocks. Der Stubaier konnte von den Einsatzkräften nur noch tot geborgen werden. Weitere acht Personen von der selben Gruppe von Tourengehern wurden nicht von der Lawine erfasst.

Die Innsbruckerin wurde mit einem Hubschrauber zur Koordinierungsstelle der Retter in der Ortschaft Rein in Taufers geflogen und von hier zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus von Bruneck.

Mit Lawinensonde unterwegs

Außer Wallner starben Südtiroler im Alter von 16 bis 43 Jahren, darunter eine 32-jährige Frau. Sie waren erfahrene Tourengeher und hatten alle Suchgeräte bei sich. Diese hilft bei der Lokalisierung von Verschütteten. Einige der Verstorbenen waren sogar mit einem "Airbag" ausgestattet. Doch selbst diese Sicherheitsvorkehrungen reichten nicht aus, um in der großen Lawine zu überleben.

Vier Hubschrauber, darunter ein Helikopter aus Lienz, und rund 100 Retter mit Suchhunden waren im Großeinsatz. "Die Dimension der Lawine ist enorm, sowohl was die Breite, als auch was die Tiefe betrifft", berichtete der Chef der Rettungseinheiten im Pustertal, Josef Auer. Man habe sogar noch Glück gehabt, "dass die Bilanz dieses Unglücks nicht noch dramatischer ausgefallen ist".

Schwierige Rettungsaktion

Die Rettungsaktion sei schwierig gewesen. "Für Hubschrauber sind Manöver auf einer derartigen Höhe kompliziert. Außerdem war die Lawinenfront sehr breit. Wir haben die Leichen dank der Lawinensonden identifizieren können, die alle Tourengänger bei sich hatten", berichtete Auer laut der Tageszeitung "La Repubblica".

Die Lawinengefahr am Samstag war in Südtirol hoch. Die Experten des Lawinenwarndienstes des Landes hatten die Gefahr am Samstag, auch im Ahrntal, zwar als "mäßig" eingestuft (also auf Stufe "2" der fünfteiligen Skala). Im Tagesverlauf steige jedoch die Auslösewahrscheinlichkeit und auch die Gefahr von spontanen Lawinen besonders im südexponierten Gelände an, hieß es auf der Internetseite des Warndienstes. Der Schneebiger Nock ist mit 3.358 Metern Seehöhe nach dem Hochgall der zweithöchste Berg der Rieserfernergruppe, einem Gebirge im westlichen Teil der Hohen Tauern. (APA, 13.3.2016)

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