Wer noch in Syrien ist, kann kaum mehr flüchten

12. März 2016, 14:07
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Die Grenzen zu den Nachbarstaaten sind nun weitgehend versperrt – ein Überblick

Damaskus – Für Syrer wird die Flucht aus dem Kriegsgebiet immer schwerer. Viele Grenzen sind dicht, wie das Analyseinstitut IRIN ermittelte. Eine Übersicht:

Türkei: Anfangs pflegte die Türkei eine Politik der offenen Tür und nahm Millionen Syrer auf. Doch seit Anfang des Jahres verlangt Ankara Einreisevisa, die nicht einfach zu erhalten sind. Zehntausende Syrer strandeten daher auf der Flucht vor den Kämpfen um Aleppo vor der türkischen Südgrenze. Durchgelassen wurden vor allem Turkmenen.

Libanon: Zwischen dem kleinen Mittelmeerstaat und Syrien gibt es viele kulturelle und verwandtschaftliche Beziehungen. Entsprechend leicht konnten viele Syrer zu Kriegsbeginn in das Nachbarland kommen, um dort zu bleiben oder weiterzuziehen. Doch aus Furcht vor einem Überschwappen des Syrien-Krieges kontrolliert das multikonfessionelle Land seit Jänner 2015 den Zuzug. Seitdem müssen Syrer ein Visum beantragen oder einen libanesischen Bürgen vorweisen. Wer bleiben will, braucht eine Arbeitserlaubnis und muss 200 US-Dollar (180,34 Euro) zahlen.

Jordanien: Das Königreich schloss seine Grenze zu Syrien bereits im September 2014 weitgehend. Jetzt sollen Zehntausende Syrer vor den wenigen Grenzübergängen bei Hadalat und Rukban warten. Flüchtlinge werden nur in kleinen Tageskontingenten ins Land gelassen.

Israel: Aus Furcht vor Terroranschlägen hält Israel seine Grenze zu Syrien hermetisch dicht. Das Grenzgebiet der Golanhöhen wird zudem von UNO-Truppen überwacht.

Irak: Wo der "Islamische Staat" (IS) sein Kalifat errichtet hat, existiert die Grenze zwischen Syrien und dem Irak faktisch nicht mehr und das ganze Gebiet ist für Flüchtlinge versperrt. Im Norden im Kurdengebiet flohen einst Kurden und Yeziden vor dem IS ins Nachbarland. Heute ist auch diese Grenze für Asylsuchende geschlossen.

Andere Staaten sind nur auf dem See- oder Luftweg zu erreichen. Doch die westlichen Staaten haben ihre Botschaften und Konsulate in Syrien geschlossen. Selbst arabische Staaten lassen nicht einfach jeden Syrer rein. So fordert Ägypten bereits seit Juli 2013 Visa für Flugpassagiere aus Syrien. (APA, 12.3.2016)

  • Eine Flüchtlingssiedlung in Bekaa, Libanon: Hier ist das Überleben schwierig, es fehlt an Nahrung, Medizin, Zugang zu Schulbildung für die Kinder. Eine Flucht in die Türkei ist im Gegensatz zu früher aber kaum mehr möglich.
    foto: reuters/mohamed azakir

    Eine Flüchtlingssiedlung in Bekaa, Libanon: Hier ist das Überleben schwierig, es fehlt an Nahrung, Medizin, Zugang zu Schulbildung für die Kinder. Eine Flucht in die Türkei ist im Gegensatz zu früher aber kaum mehr möglich.

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