Wenn die Fußballvereine zum Pickerl müssen

15. März 2016, 10:41
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Die österreichische Bundesliga vergibt wieder die Lizenzen, es könnte Problemfälle geben

Wien – Das Lizenzierungsverfahren der österreichischen Fußball-Bundesliga hat logischerweise Grenzen. " Es ist nur so gut, wie es gelebt wird", sagt Vorstand Reinhard Herovits. Es kommt wieder Leben in die 20 Profivereine, eigentlich sind es nur mehr 19, Austria Salzburg ist insolvent, der Zweitligist macht zwar bis Saisonende weiter, um dann in den Amateurbereich, in eine Art Versenkung, zu verschwinden. Bis zum 15. März müssen die Unterlagen eingereicht werden, die erstinstanzliche Entscheidung wird am 30. April bekanntgegeben. Es könnte durchaus Problemfälle geben, Herovits hält aber "nichts vom Lesen im Kaffeesud". Es ist noch offen, wie viele Regionalligisten einen Antrag stellen, es im Profitum versuchen wollen. Horn will. Herovits vergleicht das Prozedere mit dem Autopickerl. "Entweder du bekommst es, oder du bekommst es nicht. Das gilt für einen Golf genauso wie für einen Porsche. Beide müssen die Voraussetzungen erfüllen, erhalten möglicherweise Auflagen, um Schäden zu reparieren. Die Liga sitzt aber nicht am Steuer, das müssen die Vereine tun. Wir sind maximal für eine kurze Zeit die Fahrlehrer."

In den vergangenen 20 Jahren gab es im österreichischen Kick 22 Konkurse, die Zahl ist rückläufig und deshalb laut Herovits kein allzu großer Jammer. "Ohne Lizenzierungsverfahren wären es mehr gewesen. Schuld war entweder eine kriminelle Energie noch ein nichtverantwortungsvolles Klubmanagement." Die Verweigerungen nehmen ab, im Vorjahr haben die Admira und der LASK die Bewilligung erst in zweiter Instanz (Protestkomitee) erhalten. Die Cheftrainer hatten nicht die nötige Qualifikation. 2007 mussten sieben Klubs nachsitzen.

Der aktuelle Fall Austria Salzburg hat die Liga auf dem falschen Fuß erwischt. Christian Ebenbauer, der zweite Vorstand, sieht kein Verschulden. "Es war nicht leichtgläubig, die Kriterien waren erfüllt. Dass mit den Verantwortlichen dann die Pferde durchgegangen und die Personalkosten explodiert sind, konnte man nicht wissen." Das oberste Ziel sei die Wettbewerbskontinuität. "Die muss künftig wieder gegeben sein."

Vorgaben erfüllt

Österreich hat 1996 das Lizenzierungsverfahren eingeführt, seit 2003 erfüllt es alle Uefa-Vorgaben. Nur sieben von 54 Mitgliedsverbänden tun das. Problematisch bleibt die Sky Go Erste Liga. In der Tipico-Liga bilanzieren die meisten Vereine zumindest ausgeglichen, negatives Eigenkapital wurde abgebaut. Bis 1. Jänner 2017 müssen die Vereine laut Erlass des Finanzministeriums ihren Profibetrieb in eine Kapitalgesellschaft ausgliedert haben, das Schlupfloch der Gemeinnützigkeit wird gestopft. Die Austria, Sturm Graz und Red Bull Salzburg haben das bereits erledigt. Ebenbauer fürchtet, "dass es in der zweiten Klasse Probleme geben könnte." In der Politik wird seit rund 50 Jahren über die Notwendigkeit einer Bildungsreform diskutiert, im Fußball über die Infrastruktur. Diesbezüglich herrscht auch im Oberhaus Nachholbedarf. Der WAC, Mattersburg und die Admira haben immer noch keine Rasenheizung, sie müssen für die Zeit zwischen 15. November und 15. März ein Ausweichstadion nennen. Der WAC hat es mit Klagenfurt geklärt.

Ebenbauer ist sich bewusst, "dass ohne Hilfe des Bundes und der Länder wenig möglich ist." Irgendwann, sagt er, sollten alle Zuschauer "ein Dach über dem Kopf haben. Es geht nicht, dass man die Fans im Regen sitzen lässt." (Christian Hackl, 15.3.2016)

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