Lebensschule Harem

Einserkastl11. März 2016, 17:35
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Unter der Herrschaft von Erdogan gibt es deutliche neoosmanische Tendenzen

Die stets von Kopf bis Fuß verhüllte Gattin des türkischen Präsidenten, Emine Erdogan, hat sich zwiespältig zur Institution des osmanischen Harems geäußert: Er sei "eine Schule für Mitglieder der osmanischen Dynastie gewesen" und "eine Lehreinrichtung, in der Frauen auf das Leben vorbereitet wurden".

Allerdings: auf ein Leben als Sexsklavinnen, wenn es schlechtging; oder, wenn es gutging, auf ein Leben als Favoritin des Sultans, mit entsprechender Macht hinter dem Thron. Andere wurden nach einiger Zeit im Harem an osmanische Würdenträger verheiratet oder, auch das kam vor, in einen Sack gesteckt und in den Bosporus geworfen.

Jedenfalls: Unter der Herrschaft von Erdogan gibt es deutliche neoosmanische Tendenzen in der Türkei, ein kräftiges Rollback der Säkularisierung und Modernisierung unter dem Gründer der modernen Republik, Kemal Pascha Atatürk.

Und mit so jemand verhandelt die EU wegen einer Lösung der Flüchtlingskrise. Das sagen jetzt viele; allerdings sind diese Kritiker oft ident mit jenen, die vehement fordern, dass die EU mit einem anderen fragwürdigen Autokraten unbedingt ein gutes Verhältnis herstellen müsse, nämlich mit Wladimir Putin. Der greift auch gern auf überwunden geglaubte Phänomene der russischen Geschichte zurück.

Der Umgang mit rückwärtsgewandten Autokraten ist nicht einfach, aber oft unvermeidlich.(Hans Rauscher, 11.3.2016)

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