Ahmed Abul-Gheit: Comeback von Mubaraks letztem Chefdiplomaten

Kopf des Tages11. März 2016, 17:12
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Der ägyptische Karrierediplomat übernimmt den Posten des Generalsekretärs der Arabischen Liga

Diesmal beerbt der Diplomat Ahmed Abul-Gheit den Diplomaten (und Juristen) Nabil Elaraby. Im März vor fünf Jahren war es genau umgekehrt: Abul-Gheit war der letzte Außenminister von Präsident Hosni Mubarak gewesen, Elaraby wurde der erste der Post-Mubarak-Ära, wanderte aber bereits zwei Monate später auf den Chefsessel der Arabischen Liga weiter. Den wird er nun im Sommer Abul-Gheit überlassen, der am Donnerstag bei einer Liga-Sitzung in Kairo designiert wurde.

Vom distinguierten Karrierediplomaten Ahmed Abul-Gheit, geboren 1932 in Heliopolis, hatte man in den Jahren nach dem Sturz Mubaraks 2011 zuerst einmal nicht mehr viel gehört. Kurz verließ er die Deckung anlässlich der Präsidentenstichwahl im Juni 2012, als er seine Unterstützung für Ahmed Shafiq kundtat, den letzten Premier Mubaraks, der die Wahl gegen Mohammed Morsi jedoch verlor.

Expliziter Muslimbrüder- und Hamas-Gegner

Dass Abul-Gheit mit den Muslimbrüdern, die in Ägypten bis zum Sturz Morsis im Juli 2013 das Sagen hatten, nichts zu schaffen haben wollte, liegt auf der Hand: Er galt als expliziter Muslimbrüder- und Hamas-Gegner, eine Haltung, die ihn – und seinen Präsidenten Hosni Mubarak – in den Augen vieler Araber automatisch in die Nähe Israels rückte.

Und so dauerte es auch am Donnerstag nach seiner Wahl zum Liga-Generalsekretär nicht lange, bis das Foto zu kursieren anfing, das ihn galant die israelische Außenministerin Tsipi Livni an der Hand führend zeigt: aufgenommen am 25. Dezember 2008, zwei Tage, bevor die israelische Gaza-Offensive "Gegossenes Blei" begann.

Entwaffnung der Hisbollah gefordert

Bei den Gegnern Israels machte ihn auch unbeliebt, dass er die Entwaffnung der libanesischen Hisbollah verlangte, zwar diplomatisch verschlüsselt als "Umsetzung der Uno-Sicherheitsratsresolution 1559", aber doch klar genug. Seine Position gegen die Hamas und die Hisbollah gefiel und gefällt aber nicht nur in Jerusalem und Washington, sondern auch in Riad.

Bevor Abul-Gheit 2004 zum Außenminister berufen wurde, war er Botschafter bei der Uno in New York. Der fleißige Tagebuchschreiber veröffentlichte 2013 seine Memoiren über seine Zeit als Außenminister. Darin schreibt er, dass ihm nicht gefallen habe, dass Mubarak in den Jahren vor seinem erzwungenen Abgang begann, seinen Sohn Gamal als nächsten Präsidenten Ägyptens in Stellung zu bringen. Das sei auch die Meinung anderer gewesen. Nur gesagt haben sie es ihm eben nicht. (Gudrun Harrer, 11.3.2016)

  • Ahmed Abul-Gheit, designierter Generalsekretär der Arabischen Liga.
    foto: afp/gianluigi guercia

    Ahmed Abul-Gheit, designierter Generalsekretär der Arabischen Liga.


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