Präsidentschaftswahlkampf: Jetzt geht's um die Wurst

Kommentar11. März 2016, 17:30
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Anstatt Haltung zu zeigen, schieben die Kandidaten der Koalitionsparteien das Thema Flüchtlinge von sich, um niemanden zu vergrätzen

Ein Höhepunkt dieses Wahlkampfes war zweifellos der Augenblick, als Andreas Khol ein Würstel in die Kamera hielt. Der Auftritt des ÖVP-Kandidaten in einem Würstelstand samt Bedienung von englischsprachiger Kundschaft mit der "famous cheesekrainer" wurde von den Medien dankbar aufgesogen. Immerhin trug Khol auch bei diesem Anlass seine rot-weiß-rote Krawatte.

Einer von uns, einer für uns, Österreich stärken, Gemeinsam in die neuen Zeiten, Flagge zeigen: Die Slogans sind inhaltlich nichtssagend und beinahe beliebig austausch- und zuordenbar. Wahlkampf eben. Noch sind Inhalte ganz schwer auszumachen, Konkretes lässt sich nur an der Frage festmachen, ob und wer Heinz-Christian Strache als Kanzler angeloben würde, was freilich auch Schuld der immer wieder nachfragenden Medien ist.

Auffallend ist, wie sich die angehenden Kandidaten an jener Frage vorbeischwindeln, die derzeit nachhaltig Politik und Bevölkerung beschäftigt: Wie tun wir mit den Flüchtlingen?

In der Komplexität dieser Fragestellung tut sich nur einer leicht: FPÖ-Kandidat Norbert Hofer, der das Ausländer- raus-Gejapse seiner Partei in Abwandlungen vor sich herträgt. Anstatt Haltung zu zeigen, schieben gerade die Kandidaten der Koalitionsparteien das Thema von sich, um nur ja niemanden zu vergrätzen. Da passt dann ein Auftritt im Würstelstand gut ins politische Gefüge. (Michael Völker, 11.3.2016)

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