TBC-Verdachtsfall in der Parlamentsdirektion

11. März 2016, 21:13
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Gesundheitsamt informiert – Infektionsgefahr nur bei längerem, unmittelbaren Kontakt in einem geschlossenen Raum – Rund 650 Erkrankungen pro Jahr in Österreich

Wien – Der Tuberkulose-Verdacht im Parlament hat sich bestätigt. Ein Mitarbeiter der Parlamentsdirektion ist laut Aussendung der Parlamentsdirektion vom Freitagabend tatsächlich an TBC erkrankt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter im Plenarsaal des Parlaments weitere Personen angesteckt hat, ist laut Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) aber äußerst gering.

Die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung des Betroffenen, der sich in stationärer Behandlung befindet, liegen laut Gesundheitsdienst der Stadt Wien seit Freitagabend vor. Die MA 15 wird – wie in solchen Fällen vorgesehen – alle Personen, mit denen der Erkrankte engen beruflichen oder privaten Kontakt hatte, kontaktieren und, wenn notwendig, entsprechende Untersuchungen durchführen, hieß es in der Aussendung der Parlamentskorrespondenz.

Nachdem sich der betroffene Mitarbeiter etwa im Rahmen der Sondersitzung am Dienstag auch zeitweise im Plenarsaal aufgehalten hat, hat die Gesundheitsbehörde am Freitagnachmittag im Parlamentsgebäude entsprechende Erhebungen durchgeführt. In dem sehr großen und luftigen Plenarsaal sei die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung laut MA 15 aber äußerst gering.

Tuberkulose wird am häufigsten über die Luft übertragen, doch eine unmittelbare Ansteckungsgefahr besteht nur, wenn in einem geschlossenem Raum mehr als acht Stunden ein enger Kontakt mit dem Erkrankten stattgefunden hat. Alle Abgeordneten sowie die Mitarbeiter der Parlamentsdirektion wurden bereits über den TBC- Verdacht informiert. Ihnen steht ein medizinischer Informationsdienst für Fragen zur Verfügung.

Krankheitsfälle rückläufig

In Österreich ist die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen seit vielen Jahren ständig rückläufig. 2013 wurden 649 Tuberkulosefälle registriert. Das entspricht einer Erkrankungshäufigkeit von 7,66 pro 100.000 Einwohnern. Die meisten Erkrankungen – 14,5 pro 100.000 Einwohner – wurden in Wien registriert. "Die rückläufige TB-Inzidenz (Neuerkrankungen pro 100.000 Personen und Jahr; Anm.) bei österreichischen Staatsbürgern setzte sich weiter fort, bei Personen mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit blieb diese stabil", schrieb die Fachgesellschaft der Lungenärzte anlässlich des Welt-Tuberkulosetages 2015. Jahr davor (2014) erkrankten in Wien 141 Personen an ansteckender Tuberkulose.

Tuberkulose wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Befallen TBC-Erreger die Lunge, versucht das menschliche Immunsystem, diese in Schach zu halten. Wenn die Bakterien schlummern, handelt es sich um eine geschlossene Tuberkulose. Ist das Immunsystem schwach, macht sich die Infektion bemerkbar. Dann wird von einer offenen, infektiösen Tuberkulose gesprochen. Ansteckend ist TBC, sobald die Bakterien den Weg in die Bronchien gefunden haben und über die Atemwege abgesondert werden. Eine nicht diagnostizierte offene TBC-Infektion muss nicht tödlich enden, kann jedoch laut Medizinern innerhalb einiger Tage oder Wochen zum Tod führen. (APA, 11.3.2016)

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