Stadtbelebung: Mauerblümchen für Gänserndorf

16. März 2016, 09:00
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Gänserndorfs Bahnstraße soll belebt werden, ein mehrstöckiges Gebäude mit Wohnungen, Büros und Shops macht den Anfang

Ein alter Gewerbebetrieb, der seit 35 Jahren leersteht. Direkt daneben ein kleines altes Häuschen, beides in sehr guter zentrumsnaher Lage, Bahnstraße 65 und 67, zum Bahnhof sind es nur wenige Gehminuten. Da müsste man doch etwas daraus machen, dachte sich der Gänserndorfer Unternehmer Thomas Beles. Gemeinsam mit dem Architekten Robert Blaschke (Raumbau Architekten) entwickelte er einen Plan für die Bebauung der Liegenschaften mit Wohnungen, Büros und Shops.

Der junge Gänserndorfer Bürgermeister René Lobner (ÖVP) unterstützt das Vorhaben, passt es ihm doch hervorragend ins Konzept – das da heißt: Belebung der Innenstadt, Lücken schließen, Leerstandsmanagement. Gänserndorf sei nämlich in den vergangenen Jahren unter seinem Vorgänger stark gewachsen, aber leider eher unkontrolliert, sagt Lobner, der für die ÖVP auch im niederösterreichischen Landtag sitzt.

In der Feldgasse südlich der Bahn sei etwa eine regelrechte "Schlafstadt" entstanden, mit zahlreichen geförderten Wohnbauten, deren Bewohner aber oft keine allzu große Bindung zu Gänserndorf hätten. "Da sind oft junge Leute aus den Nachbargemeinden hergezogen, die auch weiterhin dort emotional verhaftet sind und später wieder dorthin ziehen." So sei man zwar nun bei 10.800 Einwohnern angelangt, aber die Stadt habe eher wenig davon.

Einfamilienhaus war geplant

Dass Beles nun also in der Bahnstraße ein Multifunktionsgebäude bauen will, "passt uns super rein", sagt Lobner. Beles ist allerdings kein Immobilienentwickler, sondern Eigentümer und Geschäftsführer eines Elektronikgroßhandels. Er hat nun eine Immobilienfirma gegründet, die Bahnstraße ist das erste Projekt. Und zu diesem ist er trotz der geografischen Nähe auf eher unorthodoxe Weise gekommen.

Eines der beiden schmalen, langgezogenen Grundstücke zwischen Bahnstraße und Jahngasse – darauf befindet sich derzeit noch eine alte Tischlerei samt Möbelhaus aus den 1960er-Jahren – gehört ihm schon länger. Dort wollte er im hinteren Bereich, zur Jahngasse raus, ein privates Häuschen für seine Familie errichten. "Dann dachte ich mir aber, dass es gescheiter wäre, die Liegenschaft vorn zuerst zu entwickeln, damit man von hinten zur Baustelle zufahren kann."

Erste Überlegungen, schon mit Raumbau Architekten, wurden angestellt, doch es stellte sich heraus, dass die Unterfangung der Nachbarhäuser zu kostspielig wäre. Also bezog er in seine Überlegungen die ebenfalls schmale, langgezogene Nachbarliegenschaft mit ein. In dem kleinen Häuschen dort wohnte eine alte Dame, berichtet Beles dem Standard. Er verhandelte mit ihr über einen Verkauf, die Dame zierte sich, willigte später ein, dann doch wieder nicht. "Zwischenzeitlich war das Projekt gestoppt", sagt Beles rückblickend.

Sieben Millionen Euro

Dann verstarb die Dame plötzlich, Erbe des Grundstücks waren die Ärzte ohne Grenzen. Mit diesen habe er sich schließlich recht rasch einigen können, erzählt Beles. Er übernahm das Grundstück auf Basis eines bereits erstellten Wertgutachtens.

Nun nimmt er sieben Millionen Euro in die Hand, um die neuen Pläne von Blaschke für beide Liegenschaften umzusetzen. Sie sehen zwei Baukörper vor, einer straßen-, einer hofseitig. An der Bahnstraße entstehen im Erdgeschoß drei Shopflächen mit 312 Quadratmetern, darüber auf zwei Etagen Büros, ganz oben einige Penthousewohnungen.

Im zweiten Gebäude werden im Erdgeschoß ebenfalls Büros (insgesamt zehn) gemacht, in den Obergeschoßen eins bis drei dann Wohnungen (insgesamt 14). In der Tiefgarage werden außerdem 38 Parkplätze entstehen, drei weitere im Innenhof.

Nachfrage schon vorhanden

Von den Wohnungen sollen zwölf verkauft werden, zwei behält sich Beles selbst als Vorsorgewohnungen. Mit Größen von 70 bis 100 Quadratmetern zielt man laut Architekt Blaschke, der auch ausgebildeter Immobilientreuhänder ist, "auf Leute ab, die sich diese Größe in Wien nicht mehr leisten können". Die Preise werden bei rund 3800 Euro je Quadratmeter liegen. Die Nachfrage sei schon jetzt vorhanden.

Auch über die Verwertung der Büros und Shops macht sich Beles keine großen Sorgen. Ein Büro wird er mit seinem Elektronikgroßhandel gleich selbst beziehen, und einer der drei Shops – der größte – ist für seine Gattin reserviert, die dort ein Fotostudio mit angeschlossener Yogalounge betreiben wird.

Energieversorgung sichtbar

Besonders stolz ist man auf das von Blaschke erdachte Energiekonzept. Das Gebäude soll über zwei Wärmepumpen im Winter mit Wärme versorgt, im Sommer gekühlt werden. Dafür werden 18 Sonden jeweils 120 Meter in die Erde getrieben. Gemeinsam mit einer Fotovoltaikanlage "sind wir komplett autark", sagt Blaschke.

Und er hat sich dazu noch etwas Besonders überlegt: Lichtbänder in Blumenform sollen auf der Fassade anzeigen, mit welcher Energie das Gebäude gerade hauptsächlich versorgt wird. Blaschke will damit "für Gesprächsstoff sorgen, Bewusstsein schaffen für Energieverbrauch und -versorgung".

Bürgermeister Lobner sieht in dem Projekt die "Initialzündung" für die Neuentwicklung der Bahnstraße, weitere ähnliche Projekte sollen dort folgen – unter tatkräftiger Mithilfe der Stadt. Diese soll "ein bisschen als Maklerin fungieren", denn viele Geschäftsleute seien in letzter Zeit in Pension gegangen, Nachfolger fanden sich nicht. Gerade in der Bahnstraße aber würden Geschäftsflächen sinnvoll sein, Ideen sind hochwillkommen. (Martin Putschögl, 16.3.2016)

  • Die Blumen an der Fassade sollen nach einer Idee des Architekten in unterschiedlichen Farben anzeigen, mit welcher Energie das Gebäude gerade hauptsächlich betrieben wird.
    visualisierung: raumbau

    Die Blumen an der Fassade sollen nach einer Idee des Architekten in unterschiedlichen Farben anzeigen, mit welcher Energie das Gebäude gerade hauptsächlich betrieben wird.

  • Im zweiten Bauteil im Hof sind Büros und Wohnungen geplant.
    visualisierung: raumbau

    Im zweiten Bauteil im Hof sind Büros und Wohnungen geplant.

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