Abtransport von Fayed sorgt für Aufregung

11. März 2016, 22:29
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Franzose stürzt im Kvitfjell-Training und erleidet Kreuzbandriss, Versorgung sorgt für Kritik – Reichelt: "Es hat wieder nicht geklappt"

Kvitfjell – Der Norweger Kjetil Jansrud hat im Abschlusstraining für die Abfahrt am Samstag in Kvitfjell Bestzeit vor dem Italiener Peter Fill erzielt. Das wegen Nebels verspätete Training war nach einem Sturz von Guillermo Fayed 20 Minuten unterbrochen. Der Abtransport des Franzosen sorgte dabei wieder einmal für viel Kritik bei den Fahrern.

Sturz beim Sprung

Das Abschlusstraining in Norwegen begann mit fast zweistündiger Verspätung, wurde dann vom Reservestart aus bei Sonnenschein, aber bereits flacher Sicht gefahren. Fayed kam beim sehr weittragenden Sprung in die Zielkurve böse zu Sturz. Schon die Erstversorgung dauerte lange und nachdem der Helikopter den am Knie offensichtlich schwerer verletzten Athleten die 200 Meter vom Berg geflogen hatte, wurde der Franzose erst wieder in ein Rettungsauto umgelagert und auf der Straße ins Krankenhaus gefahren. Dort folgte die Diagnose Kreuzbandriss.

Viele Fahrer fühlten sich an die fatalen Ereignisse rund um den Sturz von Matthias Lanzinger 2008 erinnert. "Die Erstversorgung hat wieder nicht geklappt. Es muss einfach ein zweiter Hubschrauber her", forderte etwa Hannes Reichelt sofort. "Es dauert viel zu lange. Vielleicht sind es nur Sekunden. Für den, der verletzt im Schnee liegt, sind es Stunden", ärgerte sich der Österreicher.

Kritik von Reichelt

In Lake Louise und Kvitfjell gebe es immer die gleichen Probleme, erinnerte Reichelt. Er könnte sich Konsequenzen wie eine Renn-Pause für diese beiden Weltcup-Orte vorstellen.

Unmittelbar nach dem Rettungseinsatz war unklar, wohin man Fayed fahren wird. Vom Helikopter-Transport wurde offenbar abgesehen, weil das nahe Lillehammer im Nebel lag. Außerdem kann ein Abfahrtstraining nur stattfinden, wenn ein Rettungshubschrauber bereit steht.

Der nach seiner Kitzbühel-Verletzung in den Weltcup zurückgekehrte Max Franz gab zu, nach dem Vorfall nicht mehr ans Limit gegangen zu sein. "Es ist Wahnsinn. Entweder es gibt einen zweiten Helikopter, oder wir warten einfach mit der Fortsetzung des Trainings", sagte der Kärntner. "Der Verletzte hat immer Vorrang, speziell wenn er so starke Schmerzen hat."

Trinkl: "Alles im Soll"

Laut FIS-Renndirektor Hannes Trinkl hat die Versorgung einwandfrei funktioniert. "Von der Zeit her war alles im Soll", sagte er am Freitagabend. Dass Fayed mit dem Auto nach Lillehammer gebracht wurde, sei auf Wunsch des französischen Teamarztes passiert.

Ziemlich genau eine Stunde nach seinem Sturz, um 14:43 Uhr, sei der Franzose im Krankenhaus gewesen, so Trinkl. Ein zweiter Hubschrauber wäre für den Fall einsatzbereit gewesen, dass Fayed mit dem (ersten) Helikopter weitertransportiert worden wäre.

Die FIS entschloss sich aus Sicherheitserwägungen dazu, den Sprung, der Fayed im Abschlusstraining zum Verhängnis geworden war, etwas zu entschärfen. Eine kritische Welle, die sich an der Stelle gebildet hatte, wurde ein paar Zentimeter abgetragen, erklärte Trinkl, "damit der Sprung nicht so weit geht".

Fill greift nach der Kugel

Sportlich gaben einmal mehr die dominierenden Norweger (sechs Saisonsiege sind Landesrekord) den Ton an, obwohl der verletzte und in beiden Speed-Wertungen immer noch führende Aksel Lund Svindal nicht mehr dabei ist. Dafür kann Fill Geschichte schreiben. Der nur 26 Punkte hinter Svindal liegende Südtiroler wäre der erste Abfahrts-Gesamtsieger in der italienischen Skigeschichte überhaupt.

"Die Norweger sind gut drauf. Aber so ein Ergebnis wie heute im Training würde schon passen", sagte Fill. Er sei sicher derzeit am Höhepunkt seiner Karriere. "Es ist auf jeden Fall meine konstanteste Saison", meinte der Kitzbühel-Sieger. "Wir hatten so viele große Fahrer, die es versucht haben. Gustav Thöni, Kristian Ghedina, Herbert Plank, Christof Innerhofer, Dominik Paris und so weiter. Es wäre Wahnsinn, wenn ich der erste wäre. Damit würden nach dem Sieg in Kitzbühel gleich zwei Kindheitsträume wahr werden."

Kriechmayr schnellster Österreicher

Bester Österreicher im Training war Kriechmayr als Siebenter. Der Oberösterreicher hat noch Chancen im Super-G-Weltcup (Rennen am Sonntag) und weiß, dass Kvitfjell eine besondere Chance für ihn ist. "Die Strecke liegt mir und wenn die Chance da ist, willst du sie auch nützen."

Das Allerwichtigste sei aber ein gutes Ergebnis. "Im Super-G zähle ich hier zu den Mitfavoriten", gab sich Kriechmayr selbstbewusst. Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde liegt in der SG-Wertung 67 Punkte vor dem Österreicher. "Er ist gut drauf, aber nicht unschlagbar", lautet Kriechmayrs Kampfansage für Sonntag. (APA, 11.3.2016)

Ergebnisse des zweiten und letzten Trainings für die Weltcup-Abfahrt der Herren am Samstag in Kvitfjell: 1. Kjetil Jansrud (NOR) 1:28,52 Min. – 2. Peter Fill (ITA) +0,52 Sek. – 3. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 0,57 – 4. Travis Ganong (USA) 0,78 – 5. Steven Nyman (USA) 0,83 – 6. Dominik Paris (ITA) 0,84 – 7. Vincent Kriechmayr (AUT) 0,96 – 8. Beat Feuz (SUI) 0,97 – 9. Mattia Casse (ITA) 1,01 – 10. Valentin Giraud Moine (FRA) 1,12. Weiter: 12. Klaus Kröll (AUT) 1,34 – 13. Romed Baumann (AUT) 1,37 – 23. Otmar Striedinger (AUT) 1,87 – 31. Hannes Reichelt (AUT) 2,37 – 36. Max Franz (AUT) 2,90. Nicht im Ziel: Guillermo Fayed (FRA)

  • Kam schwer zu Sturz: Guillermo Fayed.
    foto: reuters

    Kam schwer zu Sturz: Guillermo Fayed.

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