Belgiens Justiz ließ alle Vorwürfe im Scientology-Prozess fallen

11. März 2016, 15:00
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Organisation hätte bei Verurteilung Verbot in Belgien gedroht

Brüssel – Die belgische Justiz hat im Prozess gegen Scientology alle Vorwürfe fallen lassen. In dem Verfahren gegen zwei Scientology-Organisationen und elf Vertreter der Gemeinschaft seien alle Anklagepunkte "nicht zulässig", entschied ein Gericht am Freitag in Brüssel. Es kritisierte dabei Verstöße der Ermittler gegen "das Recht auf ein gerechtes Verfahren".

Die Staatsanwaltschaft hatte den Betroffenen unter anderem Betrug, Erpressung, illegale medizinische Praktiken und Missachtung der Privatsphäre vorgeworfen. Bei einer Einstufung als kriminelle Organisation hätte Scientology in Belgien ein Verbot gedroht.

Der vorsitzende Richter Yves Régimont ging hart mit den Ermittlern ins Gericht. Zu dem Verfahren sei es "vor allem" gekommen, "weil die Angeklagten Anhänger von Scientology sind", sagte Régimont. Die Betroffenen hätten sich zuerst wegen ihrer Scientology-Zughörigkeit rechtfertigen müssen und seien "die meiste Zeit als schuldig betrachtet worden". Die Staatsanwaltschaft habe in dem Prozess dann "lückenhafte" Schlussfolgerungen präsentiert.

Freude bei Scientology

"Nichts hat Bestand gehabt", sagte der für Scientology tätige Anwalt Pascal Vanderveeren. Die Anklage sei "nachlässig" vorgegangen und von dem Wunsch geleitet gewesen, "Scientology anzugreifen". Die klare Aussage des Gerichts sei wichtig, sagte Scientology-Vertreter Eric Roux. Die Betroffenen hätten schließlich zwei Jahrzehnte ihres Lebens "unter ungerechtfertigtem Druck" leben müssen, "weil man ihren Glauben angreift und nicht etwas, was sie getan haben sollen".

Der Prozess in Brüssel hatte im vergangenen Oktober nach Ermittlungen über fast zwei Jahrzehnte begonnen. 1997 hatten zunächst ehemalige Anhänger geklagt, die an die Organisation gezahlte Gelder zurückforderten. Ein zweites Verfahren war 2008 nach einer Klage des Brüsseler Arbeitsamtes eröffnet worden. Es warf Scientology vor, falsche Jobangebote mit dem Ziel veröffentlicht zu haben, Anhänger zu werben.

Die in den 1950er Jahren vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründete Scientology-Bewegung will nicht als Sekte bezeichnet werden. Sie gilt in den USA als Religion, in mehreren europäischen Ländern wird sie hingegen als Sekte eingestuft, auch in Österreich. (APA, AFP, 11.3.2016)

  • Plakate gegen Scientology vor dem Brüsseler Bericht.
    foto: apa/afp/emmanuel dunand

    Plakate gegen Scientology vor dem Brüsseler Bericht.

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