Tempo 80 auf Salzburger Stadtautobahn: Streit um Unfallzahlen

11. März 2016, 14:44
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FPS-Abgeordneter vermutet frisierte Zahlen, Experten äußern Kritik an dessen Methode

Salzburg – Der Streit um höhere Unfallzahlen im Zusammenhang mit Tempo 80 auf der Salzburger Stadtautobahn ist um eine Facette reicher. Nachdem die Polizei am Donnerstag die offiziellen Rohdaten an das Land übermittelt hat, äußerte Landtagsabgeordneter Friedrich Wiedermann (FPS) am Freitag den Verdacht, dass die Zahlen vor ihrer Präsentation im Landtag im Sinne der Landesregierung manipuliert werden könnten.

Wiedermann beruft sich seit Wochen beharrlich auf Daten des Verkehrsunfallsachverständigen Gerhard Kronreif. Demnach habe sich das Unfallrisiko auf dem zehn Kilometer langen Abschnitt zwischen Salzburg Nord und dem Knoten Salzburg durch die Einführung des flexiblen "Luft-80ers" im März 2015 deutlich erhöht. 100.000 Fahrzeuge fahren dort im Schnitt jeden Tag. Untersucht hat Kronreif aber nur Unfälle, die auf einen Wechsel der Fahrspur zurückzuführen sind. Er stellte eine Verdoppelung von 16 auf 31 Unfälle mit Personen- oder Sachschaden fest. Nicht pro Tag, sondern im Zeitraum von Mai bis Oktober 2015.

Das hatte bei Experten für massive Kritik gesorgt. So konnte etwa der Leiter der Salzburger Verkehrsabteilung in einer Ausschusssitzung des Landtags am 24. Februar die Zahlen Kronreifs nicht nachvollziehen. Der Gutachter habe sich Handakten und interne Aufzeichnungen der Polizei angesehen, sich dabei aber nur auf die Fahrstreifenunfälle konzentriert und dann einen Bezug zu Tempo 80 hergestellt. Daraus Schlüsse zu ziehen, sei wissenschaftlich nicht seriös. Eine offizielle Unfallstatistik lag damals noch nicht vor. Außerdem geht aus der Auswertung des Verkehrssachverständigen nicht hervor, ob sich die Zahl der Unfälle insgesamt oder die der schweren Unfälle erhöht hat.

Vorwürfe gegen Verkehrsabteilung

Dem Ansinnen der FPS, das flexible Tempolimit für Pkw zu kippen, gaben die anderen Parteien im Landtagsausschuss damals auch nicht statt, zumal Tempo 80 aus Luftschutzgründen dringend notwendig sei. Doch Wiedermann gab nicht klein bei und beharrte auf den Kronreif-Zahlen. Der pensionierte Kriminalbeamte verfasste einen Brief an den Landespolizeidirektor und erhob schwere Vorwürfe gegen die Verkehrsabteilung. "Gerade Offiziere in leitender Stellung müssten der Öffentlichkeit die Wahrheit sagen." Der Leiter der Verkehrsabteilung hätte aber verneint, dass es "bedenklich hohe" Unfallzahlen durch den "Luft-80er" gebe. Der Salzburger Polizeidirektor leitete darauf eine Untersuchung ein und sagte, die Beschwerde objektiv prüfen zu lassen.

Am gestrigen Donnerstag hat die Polizei zudem die offizielle Statistik an das Land übermittelt. Wie der parteifreie Verkehrslandesrat Hans Mayr zur APA sagte, handle es sich dabei um umfangreiches Zahlenmaterial in Form von etwa zehn Excel-Tabellen mit jeweils mehreren hundert Zeilen. "Die müssen erst einmal in eine lesbare und interpretierbare Form gebracht werden." Der statistische Dienst des Landes sei mit dieser Ausgabe beauftragt worden, die Auswertung soll bis zur Landtagsitzung am Mittwoch vorliegen.

Damit gab sich Wiedermann nicht zufrieden. Wie er heute gegenüber dem ORF Salzburg bekräftigte, will er sofort Einsicht in die internen Aufzeichnungen der Polizei. Er könne nicht nachvollziehen, wie Daten aus einer Excel-Tabelle nicht lesbar sein sollen. "Ich hege die Befürchtung, dass das jetzt von mehreren umgeschrieben wird." Landesrat Mayr wies gegenüber der APA jeglichen Manipulationsvorwurf auf das Schärfste zurück. "Die Daten werden vollkommen seriös behandelt. Nach der Präsentation im Landtag kann Wiedermann die Rohdaten gerne haben."

Geht es freilich nach dem FPS-Abgeordneten, soll Kronreif die Zahlen selbst noch einmal prüfen und in ein neues Gutachten eingebunden werden – auch über die Schadstoffbelastungen in Zusammenhang mit Tempo 80. Dass Kronreif in Luftschutzfragen allerdings über keine Kompetenz verfügt, hatte die Umweltabteilung des Landes zuletzt gleich mehrfach kritisiert. (APA, 11.3.2016)

  • Artikelbild
    foto: apa/markus leodolter
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