Was leistbar und machbar ist

12. März 2016, 09:39
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Unter zehn Euro Miete je Quadratmeter zu bleiben ist heutzutage in Wien fast unmöglich. In der Brünner Straße, weit draußen in Stammersdorf, geht sich das noch aus

Die zukünftigen Bewohner müssen nach der Endstation der Straßenbahnlinien 30 und 31 noch ein Stück marschieren. Dort draußen, in der Brünner Straße 261 im Floridsdorfer Bezirksteil Stammersdorf, ist die Erste ÖSW gerade mit der Endreinigung mancher der hier entstandenen 43 Wohneinheiten beschäftigt. Im April sollen die Wohnungen an die Mieter übergeben werden.

Wer hierherziehen will, darf also nicht unbedingt eine zentrale Lage erwarten. Und auch was die Gestaltung der Fassade betrifft, gibt es Luft nach oben. "Wir gewinnen damit keinen Architekturpreis", stellte Josef Schmidinger, Generaldirektor der s Bausparkasse, kürzlich denn auch klar. Aber auch diese Wohnungen werden so wie jene in der Bessemerstraße in Floridsdorf, beim ersten Projekt der Erste ÖSW, "sofort weg sein", ist Schmidinger sicher.

Noch sind einige zu haben. Preislich zählen sie zu jener Kategorie, die laut Wiener Maklern derzeit stark nachgefragt wird: Bruttomieten bis zehn Euro jeQuadratmeter. Im Schnitt zahlt man hier 9,70 Euro "brutto kalt", also inklusive Betriebskosten und Umsatzsteuer, ohne Haushaltsenergie. 44 m² im Erdgeschoß kosten 400 Euro.

Kunststoff statt Holz/Alu

Die beiden Wohnhäuser stellen für Schmidinger so etwas wie das Nonplusultra des derzeit Machbaren auf dem Sektor "leistbare freifinanzierte Mietwohnungen" in Wien dar. Gebaut wurden die Niedrigenergiehäuser streng nach Bauordnung, wobei man sich an der Wohnbauförderung durchaus orientiert habe, sagt Gerald Parzer, gemeinsam mit Clemens Weber Geschäftsführer der Erste ÖSW (einer gemeinsamen Tochter von s Wohnbaubank und Siedlungswerk).

Auf so manche "Spompanadeln" der Wohnbauförderung, etwa dass in Wien nur Holz-Alu-Fenster förderwürdig sind, habe man eben verzichtet. Kunststofffenster tun es auch, zumal an diesem Standort. Dreifach verglast sind sie allemal, was straßenseitig an der stark befahrenen Brünner Straße kein Nachteil ist.

Oben im Dachgeschoß gibt es auch ein paar größere Wohnungen, hier kosten 95 m² mit zwei kleinen Dachterrassen monatlich 1000 Euro, bei einer Einmalzahlung von 52.000 Euro.

Keine Abstellräume

In den Wohnungen wurde auf Abstellräume verzichtet, dafür gibt es Echtholzparkett und Freiräume bei allen Einheiten, manche auch mit Eigengarten. Eine Analogie zum geförderten Wohnbau ist, dass die Wohnungen ohne Küche vermietet werden. Eine weitere ist, dass beim Einzug ein Eigenmittelanteil fällig wird, der bei 500 Euro pro Quadratmeter liegt. Man bekommt den Betrag beim Auszug zurück, abgezinst um 1,5 Prozent pro Jahr.

Das Grundstück kostete den Bauträger 350 Euro je Quadratmeter – was doch um einiges über der gerade noch förderwürdigen Höhe von 250 Euro liegt. Das ist laut Weber auch ein Grund, warum ohne Förderung gebaut wurde: Der Baugrund wäre für die Förderung schon zu teuer gewesen. Und das, wie erwähnt, in Stammersdorf – an der nördlichen Peripherie Wiens.

Man weicht also in den freifinanzierten Bereich aus. Am dritten Projekt der Erste ÖSW baut man bereits, in der Ganghoferstraße im elften Bezirk entstehen 57 Mietwohnungen. Auch hier, an der südlichen Wiener Peripherie, wird man von der Straßenbahn noch ein Stück zu Fuß gehen müssen. (Martin Putschögl, 12.3.2016)

  • Wien-Stammersdorf, Brünner Straße 261: Der Wohnbau der Erste ÖSW wird gerade fertiggestellt
    visualisierung: expressiv.at

    Wien-Stammersdorf, Brünner Straße 261: Der Wohnbau der Erste ÖSW wird gerade fertiggestellt

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