Was Petry von der FPÖ lernen kann

Kommentar11. März 2016, 15:57
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Deutschland könnte das teuer zu stehen kommen

Frauke Petry ist eine Frau starker Worte – auch wenn sie sie im Nachhinein gerne als "aus dem Zusammenhang gerissen" relativiert. Egal, auch im STANDARD-Interview nahm sich die Chefin der rechtsextremen deutschen Alternative für Deutschland (AfD) kein Blatt vor den Mund. Ein Beispiel: Ihre Partei wäre wohl "mit dem Klammerbeutel gepudert", wenn sie "nicht von den Erfahrungen der FPÖ profitieren" wollte.

Was auch immer dieses interessante Wortspiel bedeuten soll, eines ist ganz sicher damit gemeint: hier die unerfahrene junge Partei in Deutschland, Shootingstar unter den Rechten, dort die erfahrene, weil schon einmal an der Regierung beteiligte Truppe aus Österreich – da wird man sich doch wohl etwas abschauen können.

Kleine Auswahl

Gerade was die Zeit der Regierungsbeteiligung in Österreich, die Ära Schwarz-Blau-Orange betrifft: Da können Petry und ihre Mannen einiges lernen. Hier eine kleine Auswahl:

Man könnte ihr etwa beibringen, wie man binnen kürzester Zeit alle staatlichten und halbstaatlichen Einrichtungen, von der Polizei bis zur Sozialversicherung, parteipolitisch genehm einfärbt – ohne Rücksicht darauf, ob jene, die da kraft richtiger Parteimitgliedschaft auf lukrative Posten und Pöstchen geschwemmt werden, auch die fachliche Eignung dafür haben.

Oder: wie man soziale Einrichtungen, die als "links" gelten (weil sie sich etwa um misshandelte Frauen und Kinder, Obdachlose, Drogensüchtige kümmern) finanziell systematisch aushungert, "patriotische" Institutionen dagegen (Blasmusik, Trachtenvereine) mit Fördergeld zudeckt.

Marketing-Schmäh

Oder: wie man durch einen strikten "Nulldefizit"-Kurs (genialer Marketing-Schmäh!) beinahe zwangsläufig zu einem genauso strikten Privatisierungskurs kommt, wo so nebenbei ein paar "Förderer" und Freunde ihre Schäfchen ins Trockene bringen können.

Und schließlich: wie man ein ganzes Bundesland durch ebenso rücksichts- wie skrupellose Selbstbedienungspolitik an den Rand des Ruins – vielleicht sogar darüber hinaus – bringt.

Alles, was man von Frauke Petry weiß, lässt darauf schließen, dass diese Frau extrem lernfähig ist. Deutschland könnte das freilich teuer zu stehen kommen.

Gerne Opfer

In einem Punkt kann ihr die FPÖ allerdings nichts mehr vormachen: In kommunikativer Hinsicht ist die AfD-Chefin bereits top. Während sich die AfD-Recken in rechten Rülpsern beinahe täglich überbieten, wiegelt Petry im Nachhinein gerne ab – auch in eigener Sache, weil auch sie gerne rhetorisch in die Vollen geht (Stichwort Schießbefehl). Hinterher heißt es dann: Das war nicht so gemeint, das ist aus dem Zusammenhang gerissen, das ist "medial verstärkt" falsch angekommen – immer gewürzt mit einem Hauch Opfermythos in eigener Sache. Wahrlich: Jörg Haider selbst hätte ihr in Sachen Demagogie nichts mehr beibringen können. (Petra Stuiber, 11.3.2016)

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