Wie eierfeindlich ist die Scharia?

Kolumne11. März 2016, 17:00
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Osterbräuche für Zuwanderer

Eine liebe Bekannte wurde kürzlich Zeugin einer rührenden Szene in Oberösterreich. Im Zuge einer Art Lehrveranstaltung für Flüchtlinge hielt ein Landwirtschaftsexperte vor ein paar Afghanen und Syrern einen Vortrag über den hiesigen Ackerbau.

Als der Experte auf die Bohnenzucht zu sprechen kam, wurde er so sehr vom Drang übermannt, sein Fachwissen zur Schau zu stellen und zu teilen, dass er in seinem Vortrag nicht nur über Bohnen schlechthin sprach, sondern gewissenhaft detaillierte, welche Sorten und Arten von Bohnen es gibt: Käferbohnen, Buschbohnen, Brechbohnen, Azukibohnen usf. Kein Wunder, dass die armen Flüchtlinge, welche über einen Durchschnittswortschatz von unter fünfzig deutschen Vokabeln verfügten, den Referenten mit tellergroßen Augen ansahen wie der Ochs' das neue Scheunentor und die Lehrveranstaltung schließlich in einer Stimmung der allgemeinen Entgeisterung mündete.

Szenen von solch erhabener interkultureller Tragikomik spielen sich derzeit überall in Österreich ab. Und die nächste Herausforderung lauert schon: Ostern. Nachdem das Nesterlverstecken und Eierpecken im arabo-musulmanischen Raum eine eher unterbelichtete Rolle spielt, tut rasche Belehrung über klassische Oster-Features (Palmkätzchen, Osterschinken) not. Dies deshalb, weil es im Bedarfsfall gilt, interkulturelle Missverständnisse vom Typus "Diese Frau trägt einen Bikini! Sie liebt mich und will von mir befruchtet werden!" zügig auszuräumen.

Bei solchen Unterweisungen heißt es natürlich kultursensibel vorgehen. Im Fall von Zuzüglingen, die auf ihre islamistische Überzeugung Wert legen, stellen sich delikate Fragen: Ist die Scharia mehr eierfeindlich oder eierfreundlich? Und wenn sie, sagen wir, eierfreundlich ist: Bezieht sich die Eierfreundlichkeit ausschließlich auf das unbemalte Ei oder wird auch das gefärbelte toleriert? Sind unbekleidete Schokolade-Osterhasen zwangsläufig ein Beleg für die Sittenverderbnis von Ungläubigen?

Beleidigt das Eierausblasen die männliche Ehre? Oder heißt die Scharia diesen Brauch vielmehr als lustige Anspielung auf die Kastrationsgelüste eingefleischter Feministinnen willkommen? Viele Fragen, viele offene Antworten. Aber so viel Geld, um ein paar gewitzte Muftis zur Klärung zu engagieren, wird das Integrationsministerium ja wohl noch lockermachen können. (Christoph Winder, Album, 11.3.2016)

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