User-Wertung: Wie hat Ihnen "Spotlight" gefallen?

Umfrage14. März 2016, 10:00
14 Postings

Tom McCarthys Film über investigative Journalisten, die einen Missbrauchsskandal aufdecken, wurde mit einem Oscar als bester Film ausgezeichnet. Was sagen Sie zu dem Werk?

Die katholische Kirche tut viel für Boston. Diesen Satz hören die Journalisten vom hauseigenen Investigativteam des "Boston Globe", Spotlight, immer wieder. Der Satz wird bisweilen auch als Rechtfertigung herangezogen, wenn es darum geht, die Vertuschung eines Missbrauchsskandals ungeahnter Ausmaße zu entschuldigen: An die 90 Priester haben Kinder und Jugendliche über die Jahre hinweg sexuell missbraucht, das Erzbistum hat von den Taten gewusst und die Täter geschützt.

Tom McCarthys Journalistenfilm "Spotlight" beruht auf Tatsachen. Er rekapituliert filmisch die Arbeit des gleichnamigen Journalistenteams, dem es 2001 gelang, gegen die katholische Kirche vorzugehen und die systematische Verheimlichung der Missbrauchsfälle aufzudecken.

Was sagen die Kritiken?

Die Geschichte ist bereits geschrieben, jetzt arbeiten die Druckerpressen, die Zeitungsbündel werden verladen, die Story in die Häuser der Menschen gebracht. Mit Blick auf diese Schlussszenen wird die STANDARD-Rezension mit einem nostalgischen Moment eingeleitet. Denn im "digitalen Zeitalter haben sich die filmischen Bilder für Nachrichtenproduktion und Informationstransfer beschleunigt", das Papier ist nicht mehr "unhinterfragt das Trägermedium journalistischer Arbeit". Zur filmischen Darstellung der journalistischen Aufdeckungsarbeit heißt es, sie sei "in einem guten Sinne altmodisch". Der Film besteche also nicht unbedingt durch eine originelle Filmsprache, sondern lebe von der Geschichte an sich. Und stelle darüber hinaus zeitgemäße Fragen nach dem journalistischem Ethos: Erst die Distanz der Reporter von der Kirche ermöglicht die Recherche, eine Distanz, die nicht ad hoc vorhanden sei.

Auch die "New York Times" urteilt wohlwollend: "Spotlight" sei eine packende Detektivgeschichte und ein hervorragendes Newsroom-Drama, das die Abgründe der Geschichte ohne Sensationsgier zu ergründen versuche. Auch wenn das Ende des Plots bekannt sei, komme aufgrund der soliden Regie und der großartig aufspielenden Darsteller keine Langweile auf. Der Bedeutung des Printjournalismus wird auch hier gedacht. Jedoch, so die Kritik, sei es zu kurz gegriffen, den Film als nostalgische Aufforderung zu begreifen, den schwindenden Ruhm von Print noch einmal aufleben zu lassen. Vielmehr zelebriere "Spotlight" die leidenschaftliche Professionalität und die Verpflichtung gegenüber der Ethik des Journalismus.

Was sagen Sie?

Der Film hat den Oscar gewonnen. Eine höhere Auszeichnung gibt es in der Filmwelt wohl nicht. Aber bedeutet das auch zwangsläufig Qualität? Ist "Spotlight" also tatsächlich den Oscar wert, oder war es eher die Geschichte dahinter, die zur Auszeichnung geführt hat? Wie hat Ihnen "Spotlight" gefallen? Können Sie mit einzelnen Aspekten der Kritik etwas anfangen, oder haben Sie eine gänzlich andere Meinung zu dem Gesehenen? (jmy, 14.3.2016)

  • Rachel McAdams (links) und Mark Ruffalo (Mitte rechts) waren jeweils für einen Oscar nominiert, gingen aber leer aus. Dafür gewann "Spotlight" den Preis als bester Film.
    foto: constantin film

    Rachel McAdams (links) und Mark Ruffalo (Mitte rechts) waren jeweils für einen Oscar nominiert, gingen aber leer aus. Dafür gewann "Spotlight" den Preis als bester Film.

Share if you care.